Dienstag, 13. November 2007
Nachrichten am 12.Nov.2007
Montag, 12. November 2007

ROM: In Italien hat der Tod eines Fußballfans schwere Krawalle ausgelöst. Nach Behördenangaben griffen rund 200 Fans mehrere Polizeiwachen in Rom an. Sie schlugen Scheiben ein und setzten Autos in Brand. Dabei wurden mehrere Menschen verletzt. Vor dem Fußballstadion der Stadt kam es ebenfalls zu Ausschreitungen. Zuvor hatte es in mindestens vier Städten gewaltsame Proteste gegeben. Dies war eine Reaktion darauf, dass ein italienischer Polizist einen jungen Fan von Lazio Rom auf einem Autobahnrastplatz erschossen hatte. Der Beamte hatte versucht, eine Schlägerei rivalisierender Fußballfans zu beenden. Die Polizei sprach von einem "tragischen Irrtum" und kündigte eine Untersuchung an.

LJUBLJANA: Bei der Stichwahl um das Amt des Präsidenten in Slowenien hat sich der Sozialdemokrat Danilo Türk überraschend deutlich gegen seinen konservativen Gegner Lojze Peterle durchgesetzt. Wie die Wahlkommission in Ljubljana nach Auszählung fast aller Stimmen mitteilte, entfielen auf den 55-jährigen frühen Spitzendiplomaten der Vereinten Nationen mehr als 68 Prozent der Stimmen, der ehemalige Regierungschef Peterle erhielt fast 32 Prozent. Türk tritt am 23. Dezember sein neues Amt an. Gut eine Woche später übernimmt Slowenien die EU-Ratspräsidentschaft.

TIFLIS: Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hat nochmals die sofortige Aufhebung des Notstandes in der Kaukasusrepublik Georgien gefordert. Außerdem müssten die Auflagen für die Medien des Landes zurückgenommen und Voraussetzungen für einen demokratischen Prozess geschaffen werden, sagte der OSZE-Sondergesandte Josep Borrell zum Abschluss eines zweitägigen Besuchs in der georgischen Hauptstadt Tiflis. Zugleich begrüßte er die Ankündigung von Präsident Michail Saakaschwili, Anfang Januar vorgezogene Präsidentenwahlen abhalten zu lassen...

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Montag, 15. Oktober 2007
Leisten

Wenn man sich etwas leisten möchte, kann man sich Maßschuhe anfertigen lassen. Die werden in der Schusterwerkstatt nach Leisten angefertigt. Wer sich die finanziell nicht leisten kann, kann sich ja etwas anderes leisten.

Was werden wir uns in Zukunft noch leisten können? Angesichts steigender Kosten und wahrscheinlich niedrigerer Löhne und Einkommen eine bange Frage, die sich viele Menschen nicht nur in Deutschland stellen. Und auch eine Frage mit doppeldeutigem Charakter. Zum einen zielt sie vordergründig auf das, was wir gemeinhin Konsum nennen: Werden wir uns noch Urlaub, ein neues Auto, schicke Kleidung leisten können?

Leistungsanspruch für Verbesserung

Man kann die Frage aber auch so verstehen: Werden wir uns noch weiterhin ein Verhalten leisten können, das die riesigen Probleme der Zukunft mehr oder weniger ignoriert? Zum Beispiel die Energie -und Trinkwasserverknappung? Die Rodung von Regenwäldern oder Verslumung von Großstädten ? Weit weg das alles. Für uns in Europa. Doch können wir es uns in Zukunft noch leisten, so zu tun, als wären dies nicht auch unsere Probleme?

'Leisten'. Ein doppelbödiges, ja vielschichtiges Stichwort. Da haben wir das Verbum 'leisten' beziehungsweise 'etwas leisten'. Beispiel: "Die Menschen in diesem Betrieb leisten gute Arbeit." Das entsprechende aus 'leisten' gebildete Abstraktum ist 'Leistung'. Eine 'Leistung' kann von völlig unterschiedlicher Art und Qualität sein. Es gibt geistige und körperliche Leistung, das entspricht sehr oft dem, was als 'von Menschen geleistete Arbeit' bezeichnet wird.

Maschinenleistung und Belohnung
Daneben gibt es die Leistung von Maschinen, von Kraftwerken, von optischen Geräten und so weiter. Dass alle Leistungen, gerade wenn es um ihre Bewertung und nicht um ihre Messung geht, sich nicht "über einen Leisten schlagen lassen", versteht sich eigentlich von selbst. Zu unterschiedlich sind die Voraussetzungen, unter denen sie entstehen.

"Sich etwas leisten", das reflexive Verbum, bedeutet in erster Linie eine Art von Belohnung oder Anerkennung, sich etwas zugute kommen lassen. Normalerweise geht das nur – insofern es sich um Materielles handelt – wenn durch erbrachte Leistung diese Belohnung überhaupt erst möglich wird. Im Klartext: Sie haben gearbeitet wie ein Brunnenputzer und gut Geld verdient. Dafür leisten Sie sich jetzt einen Superurlaub.

Eigene Belohnung mit fremder Leistung
Es gibt natürlich auch die umgekehrte Situation: Sie haben augenblicklich nicht das Geld, wollen aber trotzdem den tollen Urlaub machen. Gut. Was tun. Zur Bank? Einen Kredit aufnehmen? Kein Problem. Nur: Sie müssten – und das ist schmerzhaft – jeden Monat im Rahmen ihrer Möglichkeiten eine "finanzielle Leistung erbringen", und den Kredit zurückzahlen.

Da heißt es dann schon noch einmal nachdenken, "ob man sich das leisten kann". Wer sich etwas leistet oder geleistet hat, tut sich und anderen aber nicht unbedingt etwas Gutes. "Sich etwas leisten" hat auch eine negative Bedeutung. Sich etwas herausnehmen, anmaßend, unverschämt sein, auch das heißt "sich etwas leisten".

Die Leistung des Schusters
Und jetzt besuchen wir eine Schuhmacherei. Eine, die Maßschuhe herstellt. Der Schuster fertigt Schuhe nach Modellformen aus Holz. Diese heißen Leisten. Solche Schuhe haben dann die durch die Leisten vorgegebene Form und Größe. Konfektionsschuhe sind so gesehen "über einen Leisten geschlagen". Diese Redensart ist schnell erklärt. Sie bedeutet: Etwas gleichmäßig nach demselben Schema, derselben Vorgehensweise behandeln.

Da wir gerade bei übertragenen Bedeutungen sind: "Schuster bleib bei deinen Leisten" will sagen, man soll tunlichst nichts anfangen, wovon man nichts versteht. Aber zurück zu den Maßschuhen. Um diese zu fertigen, braucht der Schuster dem Fuß individuell angepasste Leisten. Früher hatten die Leute, die es sich leisten konnten, ihre eigenen Leisten beim Schuhmacher.

Maßstab für sorgenfreie Zukunft
Maßschuhe sind etwas Wunderbares. Wären sie das Einzige, was wir uns in und für die Zukunft nicht leisten könnten, bräuchten wir uns keine Sorgen um die Welt und um uns alle zu machen.

Fragen zum Text
Wenn jemand viel gearbeitet hat, kann er/sie sich einen Urlaub…
A. leihen.
B. leisten.
C. leimen.

Was sind Leisten?
A. Schuhe, die viel zu teuer sind.
B. Geld, mit dem man Schuhe kaufen kann.
C. Modellformen aus Holz, um Schuhe anzufertigen.

Was bedeutet die Redewendung Schuster bleib bei deinen Leisten?
A. Man soll darauf achten, dass man sich von anderen abgrenzt.
B. Man soll nichts anfangen, wovon man nichts versteht.
C. Man soll warten, bis man sich etwas leisten kann.

Arbeitsauftrag
Stellen Sie sich vor, Sie möchten ein Hotel eröffnen, in dem sich gestresste Menschen nach anstrengender Arbeit erholen und 'sich etwas leisten' können. Was würden Sie Ihren Gästen bieten wollen? Gehen Sie dabei auf folgende Aspekte ein:

Wo soll das Hotel sein?
Können die Gäste auch selbst aktiv sein, z.B. Zeichenkurse besuchen?
Bieten Sie auch ein kulturelles Angebot an, oder nur "Wellness"?
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Montag, 1. Oktober 2007
Verbraucher

Die Welt ist schlecht, böse und gemein und ändern kann das vor allem einer - der Verbraucher. Schade nur, dass dieser seine Macht kaum zu nutzen weiß. Dabei gibt es Vereine, die speziell für den Verbraucher da sind.

Er, der Verbraucher, ist ein merkwürdiges Wesen. Er ist gleichermaßen die Masse derjenigen, die etwas verbrauchen, wie auch der einzelne Verbraucher, das Individuum, das zwar ebenfalls verbraucht, aber auf eine ganz persönliche Weise. Natürlich gibt es rein sprachlich auch die Verbraucherin und die Verbraucherinnen, aber die sind im Oberbegriff 'Verbraucher' sozusagen mitenthalten. Deshalb lautet die Frage nicht wer sondern was ist ein Verbraucher.

Ein unpersönlicher Begriff
Im wörtlichen Sinn ist der Verbraucher jemand, der wirtschaftliche Güter erwirbt. Dabei interessiert uns derzeit vor allem der Verbraucher, der insbesondere Waren und Dienstleistungen zur eigenen Bedürfnisbefriedigung in Anspruch nimmt. Dieser Verbraucher, also wir alle, heißt in der Fachsprache der Wirtschaftswissenschaften "Letztverbraucher" oder "Endverbraucher". Konsument klingt vielleicht ein bisschen gehobener, bedeutet aber dasselbe wie Verbraucher.

Der Verbraucher ist in der Konsumgesellschaft ein Wirtschaftsfaktor von ungeheurer Bedeutung. Nehmen wir beispielsweise die Lebensmittel- und Agrarindustrie. Was da produziert wird, muss auch verbraucht werden. Und das ist eine ganze Menge. Lebensmittel verbrauchen heißt, sie in bestimmter Form zu sich nehmen. Also essen und trinken. Die Vorsilbe "ver" hat übrigens immer die Grundbedeutung, dass etwas in einen anderen Zustand überführt wird oder sich etwas ändert. Beispiel: Benzinverbrauch. Der Kraftstoff wird durch Verbrennung in Energie umgewandelt, der Motor verbraucht Benzin.

Energieverbraucher

Da wir gerade bei etwas Technischem sind: ein Verbraucher ist beispielsweise in der Elektrotechnik eine Baueinheit, die Strom, also Energie aufnimmt und in eine andere Energieform, Wärme oder Licht, umwandelt. Es ist fast so, wie bei uns. Was die Lebensmittel betrifft, verbrauchen wir sie, um neue Energie zu bekommen. Aber ob Fleisch immer noch, wie es einmal hieß, ein Stück Lebenskraft ist, na ja!

Wie wichtig wir, die Verbraucherinnen und Verbraucher sind, zeigt nicht nur die Tatsache, dass wir von morgens bis abends immer und überall von der Verbrauchsgüterindustrie umworben werden, sondern auch, dass unsere höchsten Interessen ministeriell wahrgenommen werden.

Aufklärung und Sicherheit des Verbrauchers
Verbraucherpolitik ist offensichtlich wichtiger denn je, denn Verbraucherverbände wie zum Beispiel die Verbraucherzentralen mit den Verbraucherberatungsstellen haben nicht genügend Einfluss und Macht, um die Verbraucherinteressen, sprich den Verbraucherschutz umfassend zu gewährleisten. In Deutschland gibt es schon seit Jahrzehnten Verbraucherselbstorganisationen. Umfassender Verbraucherschutz ist das oberste Ziel dieser Einrichtungen.

Das heißt unter anderem Nahrungsmittelüberwachung. Dann Überprüfung der technischen Sicherheit: Gibt es zum Beispiel im neuen Super- oder Verbrauchermarkt genügend Notausgänge und Feuerlöscher? Wie sieht es mit der Produkthaftung der Hersteller aus – kann sich der Verbraucher im Ernst- beziehungsweise im Garantiefall auf die Angaben des Produzenten verlassen? Verbraucherschutz ist auch Verbraucherinformation in Form von Warentests und natürlich Kennzeichnungsvorschriften, sowie den Verbraucherpreisangaben.

Verbraucher bleibt Bürger
Verbraucherschutzverbände, Verbraucherzeitschriften, Verbraucherschutzvereine, es dürfte eigentlich nichts schief gehen. Eigentlich. Vielleicht sollten sich die Verbraucher darauf besinnen, dass sie auch Bürger sind. Aber dieser Begriff scheint sich in diesen aufgeregten Zeiten verbraucht zu haben.

Fragen zum Text
Wie kann man einen Verbraucher auch bezeichnen?
a. Konsument
b. Umwandler
c. Benutzer

Was bedeutet die Vorsilbe "ver"?
a. etwas präsentieren
b. etwas ins seinem Zustand belassen
c. etwas in einen anderen Zustand überführen

Was ist das oberste Ziel von Verbraucherselbstorganisationen?
a. schöne Überraschungen
b. umfassender Verbraucherschutz
c. bessere Öffnungszeiten

Arbeitsauftrag
Eine Aufgabe von Verbraucherorganisationen ist, zu prüfen, ob Supermärkte genügend Notausgänge und Feuerlöscher haben. Finden Sie diese Überprüfung überflüssig? Oder waren Sie schon einmal in einer Situation, in der Sie froh waren, dass es genügend Notausgänge und Feuerlöscher gab? Diskutieren Sie in Kleingruppen über Ihre Meinung.
>>Michael Utz<<
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Mittwoch, 5. September 2007
Clown- und Humortherapie

"Lachen ist gesund" besagt eine alte Volksweisheit. Auch in der Medizin hat diese Weisheit inzwischen Einzug gehalten. Lachen kann Krankheiten vorbeugen oder kranke Menschen bei ihrer Genesung unterstützen.

Sprecherin:
Altbekannte Profis, die die Menschen zum Lachen bringen, sind die Clowns. Jeder von uns hat sie schon in irgendeiner Form gesehen - bei Kindergeburtstagen, auf Straßenfesten oder im Zirkus. Doch Clown ist nicht gleich Clown, weiß Dr. Petra Klapps:

Dr. Petra Klapps:
"Zum einen gibt‘s natürlich... hat jeder Clown seinen eigenen Charakter, aber es gibt auch diese ganz klassischen. Also, es gibt zum einen den 'Weißclown', der eher der Vernünftige ist, der Vertreter der Rationalität. Dann gibt es den Dummen August, den man überwiegend im Zirkus vorfindet, der tollpatschig ist, dem alles misslingt und der in der Regel mit dem Weißclown zusammenarbeitet, von dem dann ständig auch immer wieder zurechtgewiesen wird. Dann gibt es den 'Großen Clown', das heißt, der, der mit wenig Gestik, Mimik alles aussagen kann, groß in seiner Aussagekraft."

Sprecher:

Es heißt nicht, dass jeder, der den Namen "August" trägt, automatisch dumm ist. Der Dumme August ist die Bezeichnung für eine bestimmte Clownfigur, die bereits 1873 von dem Clown Tom Belling ins Leben gerufen wurde. Ursprünglich war der Dumme August die Parodie auf die Figur des Stallmeisters. Heute erkennt man ihn an seinem buntgeschminkten Gesicht und der roten Plastiknase. Tollpatschig bedeutet, dass man besonders ungeschickt ist und ständig über etwas stolpert oder hinfällt. Was bei dem Dummen August auch kein Wunder ist, weil der immer Schuhe trägt, die ihm mindestens zehn Nummern zu groß sind.

Sprecherin:
Clowns treten nicht nur im Zirkus oder auf Festen auf. Sie blicken auch in anderen Bereichen auf eine jahrtausendalte Tradition zurück. Und...

Dr. Petra Klapps:

"...kommen ursprünglich eigentlich aus dem erlauchten Kreise der Medizinmänner, der Schamanen, galten dort als Heiler. Bei vielen indianischen Schamanen oder Indianerstämmen gilt der Clown als Heiler, weil er in der Lage ist, Traurigkeit zu vertreiben und das Volk bei guter Laune zu halten."

Sprecher:

Medizinmänner und Schamanen wissen Rat und helfen bei Krankheiten. Sie kennen sich bestens aus mit Kräutern, geheimnisvollen Mixturen, Zauberformeln und Geistern und gehören dadurch einem erlauchten Kreis an. Das heißt, es sind ganz besonders hochstehende Persönlichkeiten eines Volkes oder Stammes, die über ein großes und vielfältiges Wissen verfügen. Es gibt nur wenige davon, weshalb sie wie Götter verehrt und angebetet werden. In unserer Gesellschaft sind Medizinmänner Ärzte, die aufgrund ihrer weißen Arbeitskleidung auch Götter in Weiß genannt werden.

Sprecherin:

Die Wirkung der Clowns hat Dr. Petra Klapps zu nutzen gewusst. 1998 gründete sie das "Institut Kolibri" - ein Institut für medizinische Clownerie und kreatives Selbstmanagement. "Kolibri" bietet zwei Konzepte an: Einerseits richtet es sich an Patienten im Erwachsenenalter, die in Kliniken nach Schlaganfällen oder Schädel-, Hirnverletzungen therapeutisch betreut werden, andererseits arbeitet "Kolibri" mit Firmen und Unternehmen zusammen,…

Dr. Petra Klapps:

"...die eben mehrfach schon auch Unternehmensberatungen in Anspruch genommen haben und gemerkt haben, dass ihnen das nicht so sehr viel gebracht hat, und die möchten jetzt den humorvolleren Weg gehen und wirklich Clown-Coachings auch buchen."

Sprecher:

Coaching kommt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie "jemandem Unterricht erteilen" oder "jemanden trainieren". Bei den Clown-Coachings lernen die Teilnehmer in Wochenendseminaren, wie Lachen und Humor dazu beitragen können, ein besseres Klima in den Unternehmen und unter den Kollegen zu schaffen. Das kann wiederum auch helfen, den wirtschaftlichen Erfolg zu steigern. Eine Seminarteilnehmerin berichtet:

O-Ton:

"Was ich mitnehme - auf jeden Fall - in den Alltag ist, dass der Clown immer ein gutes Ende findet für seine Geschichte, selbst wenn er vor Problemen steht. Dass man nicht in seinen traurigen Stimmungen vielleicht so lange verhaftet, sondern nach einem Ausweg sucht. Und da, denke ich, kann der Clown helfen."

Sprecherin:

Helfen können auch so genannte Lachschulen. Diese schicken Lachlehrer zum Beispiel zu einem Unternehmen; und was dann den Mitarbeitern widerfährt, weiß Petra Klapps:

Dr. Petra Klapps:
"In Firmen werden Teams zusammengestellt - entweder morgens vor der Arbeit oder halt auch währenddessen zum Feierabend noch mal -, dass eine Viertelstunde zusammen gelacht wird. Das heißt, einer lacht vor wirklich, und die anderen lachen nach. Und es soll dazu führen, dass Stresshormone zum Beispiel im Blut herabgesetzt werden, das heißt der Körper oder das Immunsystem gestärkt wird und der Körper weniger krankheitsanfällig ist."

Sprecherin:
Natürlich muss man nicht unbedingt Lachschulen aufsuchen, um mal wieder herzhaft lachen zu können. Der Alltag bietet den meisten von uns sicherlich auch hin und wieder gute Gründe, die Mundwinkel wenigstens ein kleines bisschen nach oben zu bewegen.

Dr. Petra Klapps:

"Es kann auch ein Lächeln ganz gesund sein, so dieses In-sich-hinein-Lächeln. Die Gelassenheit des Lächelns finde ich teilweise wesentlich bedeutsamer als ein pures Lachen, jetzt."

Sprecher:
Wenn in den Firmen am Feierabend gelacht wird, ist das die Zeit nach der Arbeit. Dann begibt man sich im Allgemeinen nach Hause, um den Abend, seinen Feierabend, ruhig zu genießen. Das gelingt natürlich am besten, wenn der Stress und der ganze Ärger weg sind, denn durch Ärger steigt im Blut die Menge der Stresshormone an - wie zum Beispiel Cortisol. Wenn über lange Zeit zu viele dieser Hormone im Blut sind, kann das zu schweren Krankheiten führen, das heißt, der Körper wird krankheitsanfällig. Typische Krankheiten sind Herzinfarkte und Magengeschwüre.

Sprecherin:

Wenn Petra Klapps als Clowntherapeutin im Krankenhaus arbeitet, ist sie ein sehr schüchterner Clown. Sie verkleidet sich, klemmt sich einen roten Plastikball auf die Nase und kommt vorsichtig ins Zimmer geschlichen. Vielleicht setzt sie sich erst einmal in die Ecke und schaut nur herum. Allein dieser Auftritt löst bei manchen Patienten schon ein Lachen oder ein Lächeln aus. Manchmal bekommt sie auch Hilfe.

Dr. Petra Klapps:
"Meinetwegen: Wie steige ich vernünftig in einen Rollstuhl? Und der Clown halt zunächst mit den Knien zuerst auf die Sitzfläche geht, dann, ja, das Gesicht über der Rückenlehne hat und natürlich, wenn er losfährt, gegen die nächste Wand donnert. Ist mir schon passiert, dass ein Patient, der wirklich nicht in der Lage war, bisher zumindest haben wir es alle gedacht, dem Clown dann vormachte, wie das richtig geht, so Rollstuhl fahren. Und wir waren wirklich alle platt."

Sprecher:

Platt bedeutet normalerweise, dass etwas sehr flach ist. Ein Reifen ist zum Beispiel platt, wenn keine Luft mehr drin ist. Oder ein Gebiet wie Norddeutschland ist platt, weil es dort keine Berge gibt. Hier hat platt die umgangssprachliche Bedeutung von sprachlos und erstaunt sein. Wenn Petra Klapps als Clown mit dem Rollstuhl gegen die nächste Wand donnert, dann meint sie damit, dass sie mit enormer Wucht gegen die Wand fährt, was sicher ganz schön wehtun kann.

Sprecherin:
Inzwischen wird die Arbeit von Petra Klapps als Clowntherapeutin akzeptiert. Aber das war nicht immer so. Manche Mediziner in ihren weißen Kitteln haben die promovierte Ärztin argwöhnisch beäugt. Zusätzlich musste sie noch einige Prüfungen über sich ergehen lassen.

Dr. Petra Klapps:

"Oft ist zunächst erst mal ein wenig Skepsis da, bei den Ärzten speziell, oft auch ‘ne Neugierde: Was ist das denn für 'ne komische Kollegin?! Oftmals muss ich auch beim Erstgespräch erst mal noch mal 'ne Facharztprüfung ablegen, damit auch gesehen wird, dass ich wirklich fachlich Ahnung hab', und dann darf ich als Clown losgehen."

Sprecher:

Skepsis kommt aus dem Griechischen und bedeutet "Zweifel" oder "Bedenken". Ein Skeptiker ist ein misstrauischer Mensch, der alles in Frage stellt. Deswegen haben die Ärzte Petra Klapps erst eingehend geprüft, bevor sie als Clown arbeiten durfte. Die Herren in den weißen Kitteln zweifelten daran, dass sie Ahnung von Medizin hat. Dabei hat sie die echte Facharztprüfung, die am Ende eines Medizinstudiums steht, schon längst mit Erfolg hinter sich gebracht.

Sprecherin:
Clowntherapie kommt ursprünglich aus den USA. Was dort bereits seit 25 Jahren praktiziert wird, hat hier erst seit ein paar Jahren Einzug gehalten. In Deutschland arbeiten Clowns vorwiegend in Kinderkliniken. Auf der Kinderkrebsstation der Bonner Uniklinik sind zwei Clowns im Einsatz. Renate Loft vom Verein "Herzenswünsche" hatte die Idee, die Clowns zu engagieren.

Renate Loft:

"Ja, die Clowns haben wir uns erdacht, um eben auf der Station für gute Stimmung zu sorgen. Und indem man Kinder zum Lachen bringt, ist es eigentlich schon gegeben. Und das ganze Krankenpflegepersonal wird ja mit einbezogen. Die Eltern werden mit einbezogen, die Geschwisterkinder sogar. Und man kann damit vieles überbrücken. Man kann ihnen die Angst vor den Medikamenten nehmen."

Sprecherin:

Bevor die Clowns zu den Kindern gehen, wird mit den Psychologen besprochen, welche Kinder auf der Station liegen und wie es ihnen geht. Dann wird eingeschätzt, ob sie sich über einen Clownbesuch freuen würden oder nicht. Manchmal sind unter den Patienten auch junge Erwachsene, die dieser Therapie gegenüber nicht so aufgeschlossen sind. Im Gegenzug berichten die Clowns den Psychologen auch über ihre Arbeit mit den kleinen Patienten. In Bonn ist die ungewöhnliche Therapieform sehr erfolgreich, wie uns die Psychologin Barbara Roth-Scheffler berichtet.

Barbara Roth-Scheffler:

"Also, prinzipiell sehr positives Feedback. Es finden alle gut, weil wir auch merken, den Kindern tut das gut. Die tauchen in ‘ne andere Welt ab in der Zeit, wo die Clowns da sind."

Sprecher:
Der Begriff Feedback stammt aus dem Englischen und heißt so viel wie "Information" oder "Rückmeldung". Die Psychologin spricht von einem positiven Feedback. Das heißt, dass alle die Arbeit der Clowns für gut befinden. Vor allem deshalb, weil die Kinder mit Hilfe der Clowns in eine andere Welt abtauchen können - wie beim Tauchen im Meer, wenn man um sich herum die Unterwasserwelt wahrnimmt, die völlig anders ist, als die Welt über dem Meeresspiegel.

Sprecherin:

Jojo und Julie: So nennen sich die beiden Clowns, die auf der Bonner Kinderkrebsstation arbeiten. Jeden Dienstagnachmittag gehen sie zusammen in die Zimmer der Kinder und lassen sie für eine Weile ihre schwere Krankheit vergessen. Clown Julie erzählt:

Julie:
"Wir sind zwei Figuren, die auch miteinander befreundet sind. Und der Jojo, der ist... eigentlich ist es nämlich der ältere Clown, und wir gehen zusammen in die Clownschule. Aber der ist ein bisschen dumm. Und der ist nämlich auch schon mal sitzen geblieben, aber das soll ich nicht erzählen. Und ich bin ein bisschen kleiner, gehe mit ihm in die Clownschule, bin dafür aber nicht ganz so dumm, dafür frech, aber benutz‘ immer den Jojo für alles. Weil: Er ist nämlich immer ganz lieb und macht alles, was ich ihm sage."

Sprecherin:

Mit der Hilfe der Clowns können sich die Kinder mit ihrer Krankheit ganz anders auseinander setzen. Manchmal schlüpfen sie dann in die Rolle der Ärzte und erklären zum Beispiel dem dummen Clown Jojo, wofür die ganzen Geräte um sie herum da sind und wie das mit den Pieksern ist.

Jojo:

"Wie man Piekser kriegt und wofür die ganzen Sachen da sind. Oder machen dann bei uns, oder meistens halt bei mir, irgendwelche Piekser. Also so Pflasterspiele, mit so 'nem Verband, mit so 'nem Tropf und da hängen sie mich dann dran und verbinden mich dann ganz stark."

Sprecherin:

Manchmal wird auch einfach zusammen gegurgelt.

Sprecher:

Der arme Clown Jojo - wenn ihn die kleinen Patienten pieksen. Das bedeutet nämlich, dass sie ihm zeigen, wie es ist, wenn man mit einer Nadel oder Spritze gestochen, also gepiekt wird. Was für niemanden besonders angenehm ist. Sehr unangenehm ist es auch, am sogenannten Tropf zu hängen. Ein Tropf ist ein Flüssigkeitsbehälter, der an einem Metallgestänge befestigt ist und meistens Medikamente enthält. Von dem Behälter geht ein Plastikschlauch ab, an dessen Ende eine Nadel ist, die permanent im Arm steckt. Tropfenweise, und daher rührt auch der Name Tropf, gelangt die Flüssigkeit durch den Schlauch in den Körper des Patienten, so dass er fortlaufend mit Medikamenten versorgt wird.

Sprecherin:

Die Clowns nehmen ihre Arbeit sehr ernst. Denn trotz der Späße, die sie mit den Kindern anstellen, sind sie sich ihrer Verantwortung bewusst. Sie selbst sehen sich als Mosaikstein in der psychosozialen Versorgung. Und natürlich ist es nicht immer einfach für die Clowns, bei dem Kampf, der um Leben und Tod geht, dabei zu sein.

Jojo:
"Manchmal, wenn man Clown ist, spürt man das nicht so. Dann tut man das weg, auch die Krankheit und auch die Gefahr der Kinder. Und manchmal kommt‘s dann wieder ganz plötzlich zu Bewusstsein. Oder wenn man dann auch hört, dass ein Kind entlassen worden ist, dann freut man sich, wenn es dann gesund ist, oder auch, wenn jemand gestorben ist, dann hört man das ja auch."

Sprecherin:
Obwohl die Clown- und Humortherapie sehr erfolgreich ist, wird die Arbeit der Clowns in Deutschland von staatlicher Seite nicht unterstützt. Die Finanzierung läuft ausschließlich über Spenden und Sponsoren, wie Dr. Petra Klapps berichtet:

Dr. Petra Klapps:

"Hier ist Deutschland eindeutig das Schlusslicht, kann man sagen. Drumherum - in England - zahlen Krankenkassen inzwischen die Humor- oder Clowntherapie. Italien ist eingestiegen, auch mit staatlicher Finanzierung. Belgien, Niederlande und Frankreich sind dabei. In Deutschland ist die Idee überhaupt noch gar nicht so sehr verbreitet, dann überwiegend im Kinderklinikbereich. Hier sind Clowns nach wie vor auf Sponsoren angewiesen, das heißt, es ist eine sehr wackelige Angelegenheit."

Sprecher:

Deutschland ist das Schlusslicht. Das bedeutet, dass es an letzter Stelle steht hinter all den anderen Ländern, für die die Clown- und Humortherapie bereits ein fester Bestandteil der gesundheitlichen Versorgung ist.
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Mittwoch, 8. August 2007
Das piept

Reist ein Zugvogel mit der Bahn ? - Na, klar! Und wer das glaubt, hat einen Vogel? - Nein! Selbstverständlich nicht! Und was piept da? Oder kräht es? Die "Sprachbar" beschäftigt sich mit geflügelten Worten zum Federvieh.

In der Politik spricht man von friedfertigen Tauben und argwöhnischen Falken und der Politiker, der bloß noch pro forma sein Amt ausübt, den nennt man "lahme Ente", "lame duck". Der stolze Adler, die diebische Elster, der lauernde Geier – der Mensch charakterisiert den Menschen gern "ornithologisch", also nach Vögeln beziehungsweise deren Eigenschaften. Dem Vogel scheint das egal zu sein. Von einem Menschen, der sich so ignorant verhielte, würde man sagen, er stecke den Kopf in den Sand, er betreibe Vogel-Strauß-Politik. Als stecke der Strauß seinen Kopf in den Sand nach Art kleiner Kinder, die hoffen, man werde sie so nicht sehen.

Krähen und Pfeifen

Vögel haben ihre Augen überall. Auch –Vorsicht Scherz! – an den Füßen. Die sogenannten Hühneraugen findet man aber ausschließlich an Menschenfüßen. Nebenbei: der Chef einer Hühnerfarm wird übrigens nicht "Vogelbauer" genannt. So nennt man einen Käfig. Verwirrend? Der Volksmund empfiehlt in Zweifelsfällen Zweifelhaftes: "Mädchen, die pfeifen, Hühnern, die krähn, soll man beizeiten die Hälse umdrehn."

Einiges bleibt besser ungesagt. Die Spatzen pfeifen es sonst von allen Dächern. Der Spatz ist vielseitig: mal ist er ein frecher Spatz, goldig und süß, andererseits gilt er als gewöhnlich und schmucklos. "Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach", das sagt, wer mit dem sicheren, wenn auch kleineren Gewinn zufrieden ist. Der Spatz ist klein und er hat ein Spatzenhirn. Ihm das vorzuwerfen, wäre Unsinn. Erstens: Er würde es nicht kapieren (dafür ist er einfach zu doof) und zweitens hätte dieser Vorwurf etwas vom "Mit-Kanonen- auf-Spatzen-Schießen", der Vorwurf wäre unverhältnismäßig.

Sport und Speißen
Lob für außergewöhnliche Leistung: Er hat den Vogel abgeschossen! Noch heute kennt man in vielen Gegenden Deutschlands den Brauch des Vogelschießens. Derjenige, der vom Schützenbaum den Vogel herunterschießt, darf sich ein Jahr lang "Schützenkönig" nennen. Wer den Schiesssport nicht mag, der kann ihn auch lassen. Frei nach dem drastischen Motto: Friß Vogel oder stirb! Oder wie es bei Martin Luther heißt "Vögelin, wiltu nicht essen, so stirb". Übrigens: wer wenig isst, der muss sich ermahnen lassen, er esse ja wie ein Vögelchen.

Viel zu viel essen kann man auch. "Frisst" man andauernd, ohne zu arbeiten, ja, ohne sich zu bewegen – dann ist der Traum vom Schlaraffenland wahr geworden. Dort sollen einem die gebratenen Tauben in den Mund fliegen. Traumhaft! Nun, angesichts unsrer heutigen verfetteten Stadttauben, die man ja mitunter schon "Ratten der Lüfte" schimpft, wohl eher ein Albtraum. In diesem Zusammenhang ist es erstaunlich, dass die Taube nach wie vor als Vogel der Liebe gilt, wie bei den alten Römern schon. Frisch Verliebte sind noch immer zwei "Turteltäubchen". Nicht schlecht für eine "Ratte der Lüfte"! Außerdem gilt sie weißgefiedert als Friedenszeichen, als Zeichen der Unschuld und sie ist Symbol des Heiligen Geistes.

Fliegen oder Bleiben
Man kann auf jemanden fliegen, das führt zum "Turteln", man kann aber auch rausfliegen. Aus einer Firma. Das führt zu Arbeitslosigkeit. In manchen Firmen geht es zu wie in einem Taubenschlag, ein ständiges Kommen und Gehen. Viele die weggehen, werden gesucht. Manch einer von der Polizei. Dann heißt es: "Der Vogel ist ausgeflogen!" Den (echten) Vogel setzt man gefangen, indem man Leimruten auslegt. Entsprechend heißt es von einem gefangenen Ganoven, er ist "auf den Leim gegangen" und die Polizei kann melden: "Der Vogel sitzt." Häufig bezeichnet man als "Vogel" einen Kriminellen, aber nur, wenn er ein kleiner Ganove und nur ein bisschen böse ist.

Es gibt ferner den "komischen Vogel", einen Menschen, der ein bisschen sonderbar ist, und den "losen Vogel" einen Menschen, der ein bisschen liederlich ist. Und jeder dieser "Vögel" träumt davon, frei zu sein, frei wie ein Vogel! Auf keinen Fall aber "vogelfrei". Die Vogelfreien waren geächtete Menschen, sie hatten keinerlei Rechte, keiner durfte ihnen Obdach gewähren, und starben sie, blieben sie unbestattet, den wilden Vögeln zum Fraß... Wir schauen auf diese vergangene Zeit aus großer Distanz wie aus der Vogelperspektive, also von oben. Früher war halt vieles anders... Früher glaubten die Leute, Geistesgestörtheit werde verursacht durch das Nisten von Tieren im Kopf. Die hatten wohl alle einen Vogel!

Es piept im Verkehr
Heute weiß man genau, wer einen Vogel hat. Am genauesten weiß es der deutsche Autofahrer, der aus seinem Wissen kein Geheimnis macht. Ein kleines Fingertippen an die eigene Stirn und schon hat er einen Vogel intuitiv erkannt und gezeigt. Mittlerweile weiß so jeder Autofahrer, wer einen Vogel hat: der andere Autofahrer. Immer.

Fragen zum Text
Mit welcher Charakteristik eines Vogels wird der Mensch nicht verglichen?
a. diebische Elster
b. lauernder Geier
c. stummer Hahn

Was meint jemand damit, wenn er/ sie Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach sagt?
a. er/ sie setzt sich für den Schutz der Spatzen ein
b. er/ sie nimmt sich alles rücksichtslos
c. er/ sie ist mit einem sicheren kleinen Gewinn zufrieden

Wer wird als komischer Vogel bezeichnet?
a. jemand, der ein bisschen sonderbar ist
b. jemand, der viele Witze erzählt
c. jemand, der sehr kreativ ist

Arbeitsauftrag
Wie verhalten Sie sich im Straßenverkehr? Hat bei Ihnen auch immer der andere Autofahrer einen Vogel oder sehen Sie Ihre eigenen Fehler auch ein? Unterhalten Sie sich mit ihren anderen Kursteilnehmern über Ihre Erlebnisse im Straßenverkehr. >>Stefan Reusch<<

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Freitag, 13. Juli 2007
Langer Weg zum friedlichen

Es waren die schwersten Kriegsverbrechen seit dem Zweiten Weltkrieg, die in den 1990er Jahren in Bosnien-Herzegowina begangen wurden. Und noch immer finden Gerichtsverhandlungen statt, um die Verbrechen aufzuklären.

In Bosnien-Herzegowina kam es in den 1990er Jahren zu den schwersten Kriegsverbrechen seit dem Zweiten Weltkrieg. Allein beim Massaker in Srebrenica wurden 8000 Bosnier ermordet. Auch Vertreibungen und Massenvergewaltigungen gehörten zur Kriegsstrategie der Serben. Seitdem bemühen sich Menschenrechtsaktivisten und Juristen, diese Verbrechen aufzuarbeiten, um einen dauerhaften und stabilen Frieden im Land zu ermöglichen.

Die Chancen dafür stehen besser als in vielen anderen Konfliktgebieten. Denn die Aufarbeitung der Kriegsverbrechen hat hier besonders früh begonnen. Schon 1993, also noch während des Bosnien-Krieges, wurde in Den Haag das Internationale Kriegsverbrechertribunal (International Criminal Tribunal for the former Yugoslavia) eingesetzt. An Gerichtsverhandlungen war zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu denken. Aber es sollte ein Zeichen gesetzt werden, dass die Internationale Gemeinschaft die Massaker und Massenvergewaltigungen nicht dulden werde. Inzwischen sind bereits viele Verfahren geführt worden.

Wie wichtig diese juristische Aufarbeitung ist, betont die frühere UN-Sonderbeauftragte für Bosnien-Herzegowina, Märta Elisabeth Rehn. Sie werde manchmal gefragt, warum es so wichtig sei, dass diese Leute wie der Serbenführer Karazdic oder sein General Mladic nach Den Haag gebracht werden. Aber wenn sie sich mit den Frauen von Srebrenica unterhalte, merke sie, wie unglücklich diese darüber seien, dass ihr Leiden niemanden kümmere. "Für sie ist Gerechtigkeit wichtig, damit sie überhaupt weitermachen können und zu einer Versöhnung bereit sind", meint Rehn.

GLOSSAR
Miteinander, das – das Zusammenleben
Kriegsverbrechen, das - Verstöße gegen das Völkerrecht, die im Krieg begangen werden
Gerichtsverhandlung, die – ein Verfahren, bei dem Juristen Verbrechen oder Konflikte untersuchen
etwas aufklären – die Antwort auf eine Frage finden; hier: die Täter finden
Massaker, das – das grausame Töten vieler Menschen
Vertreibung, die – ein Vorgang, bei dem Menschen gegen ihren Willen ihren Heimatort verlassen müssen
Massenvergewaltigung, die – sexuelle Übergriffe, denen viele Personen gegen ihren Willen ausgesetzt sind
Menschenrechtsaktivist/in, der/die - jemand, der/ die sich für die Grundrechte von Menschen einsetzt
Jurist, der – jemand, der Rechtswissenschaften studiert hat und in diesem Gebiet arbeitet
aufarbeiten - etwas bewältigen, indem man sich damit auseinandersetzt
dauerhaft - ständig
stabil - große Belastung aushaltend
Konfliktgebiet, das – eine Region, in der mehrere Menschen unterschiedliche Forderungen stellen, so dass dadurch Streit entsteht
etwas dulden – etwas zulassen
Leiden, das – der Schmerz; der Kummer
etwas kümmert jemanden – etwas macht jemandem Sorgen; etwas interessiert jemanden
Versöhnung, die – ein Vorgang, bei dem Menschen die Taten von anderen verzeihen können

Fragen zum Text
Was soll in Bosnien-Herzegowina erreicht werden?
A. der Bau eines Krankenhauses
B. ein friedliches Miteinander
C. Verbesserungen im Straßenverkehr

Wo befindet sich das Internationale Kriegsverbrechertribunal?
A. in Srebrenica
B. in Berlin
C. in Den Haag

Wenn jemand etwas duldet, dann…
A. lässt er/ sie etwas zu.
B. bekommt er/ sie etwas nicht.
C. verbietet er/ sie etwas.

Arbeitsauftrag
Verhandlungen finden nicht nur im Gerichtssaal statt – auch im Alltag kann man als Kunde über den Preis von Produkten, als Angestellter über eine Gehaltserhöhung auf der Arbeit oder als Jugendlicher mit seinen Eltern über längere Ausgehzeiten verhandeln. Üben Sie mit einem anderen Kursteilnehmer ein kurzes Rollenspiel, in dem es um eine Verhandlung geht, ein. Präsentieren Sie Ihr Verhandlungsgespräch im Anschluss der gesamten Gruppe
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Samstag, 16. Juni 2007
Frauenkloster- Ora et Labora

Hinter Klostermauern steht die Zeit nicht still. Die Nonnen im Franziskanerinnen-Kloster sind alles andere als weltfremd. Im Gegenteil, sie sind starke Frauen, die Aufgaben haben und aktiv ihren Glauben leben.

Vesper:
Oh Gott, komm uns zu Hilfe.....Halleluja!

Sprecherin:
Ora et labora, bete und arbeite! Die uralte Grundregel für ein religiöses Leben. Auch der Alltag im Franziskanerinnen-Kloster Waldbreitbach im Westerwald besteht aus Gebet und Arbeit. Neben seinen religiösen Pflichten widmet sich der Orden intensiv der Kranken- Alten- und Kinderbetreuung. Leben im Dienst der Schwachen - ganz nach dem Vorbild des Namensgebers, des Heiligen Franziskus von Assisi.

Sprecher:
Ein Kloster ist eine abgeschlossene Wohnstätte von Mönchen oder Nonnen. Der Begriff leitet sich ab vom lateinischen 'claustrum': Riegel, Schloss, Sperre. Ein Orden ist eine nach bestimmten Regeln lebende Gemeinschaft. Das Wort geht zurück auf das lateinische 'ordo': Stand, Ordnung, Regel. Gleicher Herkunft ist die Bezeichnung Orden für eine Auszeichnung, ein ziviles oder militärisches Ehrenzeichen.

Sprecherin:
Der Franziskanerinnen-Orden von Waldbreitbach wurde 1863 von einer jungen Westerwälderin namens Margarethe Flesch gegründet. Die tiefreligiöse Frau kümmerte sich in ihrer Heimat, der Region zwischen Bonn und Koblenz, um Kinder ohne Eltern, Alte und Kranke. Bald schlossen sich ihr weitere Frauen an. Sie beschlossen, nicht nur Gutes zu tun, sondern auch nach den Regeln einer klösterlichen Gemeinschaft zu leben. Schwester Emanuela Henneken gehört heutzutage zu dieser Gemeinschaft.

Schwester Emanuela Henneken:
"Die Margarethe Flesch war Fanziskaner-Terziarin. Gehörte also diesen weltlichen Orden des Heiligen Franziskus an. Und als sie dann die Genehmigung 1863 bekam, eine geistliche Gemeinschaft zu gründen, da war das für sie klar, dass das eine franziskanische Gemeinschaft werden würde."

Sprecherin:
Der Begriff Franziskaner geht zurück auf den italienischen Ordensgründer Franz von Assisi. Die Bruderschaft, die er selber um das Jahr 1200 herum ins Leben gerufen hat, wird heute als 'Erster Orden' bezeichnet. Den dazugehörigen Frauenorden, die Klarissen, gründete die Zeitgenossin und Vertraute des Franziskus, Klara von Assisi. Diese Gemeinschaft trägt die Bezeichnung 'Zweiter Orden'.

Sprecher:
Der 'Dritte Orden', die Franziskaner-Tertiaren, abgeleitet vom lateinischen tertius: der Dritte, bezeichnete ursprünglich Gemeinschaften, die außerhalb der Klöster, im alltäglichen Leben, nach franziskanischen Regeln lebten. Besonders in der Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelten sich aus diesen nicht-klösterlichen - man sagt auch weltlichen - Gemeinschaften wieder franziskanische Orden. Zum Beispiel der der Franziskanerinnen von Waldbreitbach. Immer gleich geblieben sind die Ordensregeln, die Lebensregeln des Heiligen Franziskus:

Schwester Emanuela Henneken:
"Das Ideal der Armut ist ein ganz Großes, und der Solidarität mit Menschen, die am Rande stehen. Und dann noch etwas, von Franziskus her gesehen: Dass er alle Geschöpfe, alle Kreatur, die ganze Schöpfung, als Bruder und als Schwester sieht. "

Sprecherin:
Das Wort Schöpfung leitet sich vom althochdeutschen 'skepfen': etwas in Form bringen, erschaffen, ab. Im religiösen Sinne ist damit die Schöpfung Gottes gemeint, die Erschaffung alles Existierenden durch Gott. Ein Geschöpf, abgeleitet vom gleichen Wortstamm, ist folglich etwas Erschaffenes. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird der Begriff Geschöpf jedoch nur verwendet, wenn damit Tiere oder Menschen gemeint sind. Gegenstände bezeichnet er nicht.

Sprecher:
Das Ideal der Armut verwirklichen die Franziskanerinnen von Waldbreitbach dadurch, dass alle Gelder, die sie erwirtschaften, der klösterlichen Gemeinschaft zufließen. Alle Anschaffungen werden aus diesem gemeinsamen Vermögen bestritten. Den respektvollen Umgang mit der Schöpfung praktizieren sie zum Beispiel durch ihren Dienst an Kranken. So gehört zum Franziskanerinnen-Kloster in Waldbreitbach eine große, anerkannte Fachklinik für Psychiatrie. Auch in der Betreuung von alten und sterbenden Menschen sieht Schwester Basina Kloos, die Leiterin der Franziskanerinnen von Waldbreitbach, die Möglichkeit, die Regeln des Heiligen Franziskus umzusetzen:

Schwester Basina Kloos:
"Wir waren eine der ersten Gemeinschaften, die dann ein Hospiz aufgebaut hat, das weitergeführt hat, aber auch versucht, herauszufinden, was würde sowohl unsere Stifterin, als auch der Heilige Franziskus heute tun? Er hat sich ja um Aussätzige gekümmert. Wo sind Aussätzige unserer Zeit? Das würde für uns heute zum Beispiel Einsamkeit bedeuten. So haben wir durchaus einen Auftrag darin gesehen, für ältere Menschen in Heimen und auch sonst, in Begegnungsstätten, eine Möglichkeit der Begegnung zu stiften, damit diese Einsamkeit abgebaut wird."

Sprecherin:
Stiften, abgeleitet vom althochdeutschen ‚istiftan‘: auf Holzpfählen ein Gebäude errichten, bedeutet etwas zu gründen. Man sagt auch: etwas ins Leben zu rufen. Meistens trägt das Verb stiften und das dazugehörige Substantiv Stiftung eine finanzielle Komponente in sich. Ein Stifter oder eine Stifterin bezahlt die jeweilige Gründung, die Stiftung, mit eigenem Geld. Anders ausgedrückt: aus eigener Tasche. Aussatz, vom mittelhochdeutschen ‚ußsetzic‘: abgesondert, ist ein nicht mehr ganz modernes Synonym für die ansteckende Krankheit Lepra. Schwester Basina überträgt den Begriff Aussatz auf Eigenschaften, die heutzutage die Absonderung von der Gesellschaft bedeuten. Zum Beispiel Alter oder Armut.

Sprecher:
Das Wort Hospiz leitet sich vom lateinischen Adjektiv ‚hospitalis‘: gastfreundlich, ab. Ähnlich wie das verwandte Wort Hospital bezeichnet Hospiz ein Haus für Kranke. Im Gegensatz zum Hospital, auch Krankenhaus genannt, sind Hospize nur für unheilbar kranke Menschen, die bald sterben werden, vorgesehen. Hospize sind dazu da, sterbende Menschen mit liebevoller Zuwendung, aber natürlich auch mit aller ärztlichen Kunst, auf ihrem letzten Weg zu begleiten. Innerhalb der pflegerischen Tätigkeiten eine der die schwierigsten und härtesten Aufgaben. Auch Schwester Edith Maria Schug wurde bei den Waldbreitbacher Franziskanerinnen zunächst für Pflegedienste ausgebildet:

Schwester Edith Maria Schug:
"Ich hab in der Ordensgemeinschaft dann die Krankenpflege gelernt und habe jetzt auch als Krankenschwester gearbeitet die ganze Zeit und war letztes Jahr in Benediktbeuren zum Studium und bin jetzt hier auf dem Berg und hab ein Haus mit 50 Übernachtungsmöglichkeiten vorwiegend für junge Menschen, die kommen hierher und machen zum einen Orientierungstage oder Besinnungstage. Und wir beschäftigen uns mit Themen des Lebens. Das ist: Drogen, Alkohol; das ist: Gewalt, das ist: Familie, das ist: Zukunft, das ist auch: Gott - gibt's einen Gott, gibt's keinen Gott - so die Themen, die von den Jugendlichen gewollt sind. Und gleichzeitig essen wir auch zusammen, haben auch gemeinsam Freizeit und lernen uns kennen. Und miteinander kommt man dann auch ins Gespräch."

Sprecher:
Schwester Edith Maria ist mit 36 Jahren die Jüngste im Franziskanerinnenkloster von Waldbreitbach. Auf den ersten Blick ist der hübschen jungen Frau nicht anzusehen, dass sie einem Orden angehört. Genau wie ihre Mitschwester Emanuela trägt sie einfache Straßenkleidung. Nur ein silbernes Kreuz und eine kleine Plakette mit einer Darstellung der Jungfrau Maria, die die Schwestern an einer Kette um den Hals tragen, zeigt ihre Ordens-Zugehörigkeit. Bei aller Weltoffenheit und Modernität ist das klösterliche Leben der Franziskanerinnen in erster Linie trotzdem von Jahrhunderte alten, feststehenden religiösen Bräuchen bestimmt. Die gemeinsamen Gebete und Gottesdienste bilden das Gerüst des Tagesablaufs. Frühes Aufstehen ist dabei Pflicht.

Schwester Edith Maria Schug:
"Wir beten gemeinsam die Laudes und dann gehen wir in die Heilige Messe, die ist meistens morgens um sieben. Dann frühstücken wir zusammen, und dann gehe ich in das Jugendhaus, und wir treffen uns dann abends noch mal zum Abendgebet und zum Abendessen. Wenn ich eine Gruppe habe, ist auch abends da immer was los."

Sprecherin:
Der Name Laudes für das klösterliche Morgengebet stammt vom lateinischen Wort für loben, lobpreisen: ‚laudare‘. Die lateinische Bezeichnung für das Abendgebet ist Vesper. Sie leitet sich ab von ‚vespera‘, dem Wort für Abendzeit.

Vesper:
Der Herr ist mein Hirte, er führt mich zum Wasser des Lebens....

Sprecher:
Vor allem die Gottesdienste und gemeinsamen Gebete haben Schwester Edith Maria im Alter von 21 Jahren so sehr begeistert, dass sie ihren Beruf als Schneiderin aufgab und sich den Franziskanerinnen von Waldbreitbach anschloss.

Schwester Edith Maria Schug:
"Was mich fasziniert hat: dass Frauen, dass Menschen miteinander beten und miteinander über Gott reden, dass das im Alltag einfach dazugehört, dass es dafür sogar feste Zeiten gibt. Und dann hab ich mir verschiedene Ordensgemeinschaften angeschaut und mitgelebt. Und bin dann irgendwie nach Waldbreitbach gekommen, um zu eher suchen, ist das mein Weg, ist das eine Lebensform, die auch ich leben kann, weil, ich hielt mich jetzt nicht unbedingt für fromm genug. Aber im Hineinwachsen hab ich gemerkt, das ist genau das, was ich gesucht habe."

Sprecherin:
Fromm ist ein anderer Ausdruck für gläubig oder religiös. Er geht auf das mittelhochdeutsche 'vrum', das Wort für rechtschaffen, zurück. Erst seit dem 15. Jahrhundert hat das Adjektiv fromm seinen spezifisch religiösen Inhalt.

Sprecher:
Heutzutage entscheiden sich nur noch wenige Frauen, ihre Frömmigkeit in einem Kloster auszuleben. In Waldbreitbach sind es nur noch 91 Franziskanerinnen. Die meisten von ihnen sind über 60 Jahre alt. Die fast 500 Arbeitsplätze, die das Kloster durch seine Klinik, seine Bildungseinrichtungen, sein Restaurant, seine Gärtnerei und andere, der Öffentlichkeit zur Verfügung stehende Einrichtungen zu vergeben hat, sind daher fast ausschließlich von weltlichen Fachkräften besetzt. Schwester Edith Maria, die das klostereigene Jugend-Gästehaus leitet, hat das lange Aufnahmeverfahren für den Orden durchlaufen. Sie kann ihm daher für immer angehören.

Schwester Edith Maria Schug:
"Wenn sich eine Frau entscheidet, zu uns in die Gemeinschaft zu kommen, dann wird sie erstmal Kandidatin. Man soll der Gemeinschaft dann näher kommen, also näher wohnen, wo Schwestern von uns sind. Und dann wird man aufgenommen als Postulantin. Das ist die Zeit, in der man schon zur Gemeinschaft gehört, aber noch keine Schwester ist. Da muss man sich auch trennen vom Arbeitgeber, von der Familie, und wohnt innerhalb der Gemeinschaft. Dann wird man Novizin, man kriegt den Schwestern-Namen, hat aber noch keine festen Gelübde abgelegt. Das geht ungefähr zwei Jahre. Dann kann man zum ersten Mal versprechen, für drei Jahre in Armut, Gehorsam und eheloser Keuschheit zu leben. Und dann kann man noch mal auf zwei Jahre die Gelübde ablegen und dann kann man auf Ewig. Aber das ist die ganze Zeit immer so das Prüfen der Gemeinschaft für die Einzelne und die Einzelne für die Gemeinschaft, passt das."

Sprecherin:
Die Kandidatin, vom lateinischen 'candidatus': Amtsbewerber, wird zur Postulantin, vom lateinischen ‚postulatio‘: Forderung. Ist ihrer Forderung nach Aufnahme stattgegeben worden, ist sie Novizin, ein Neuling, abgeleitet vom lateinischen Adjektiv 'novus': neu. Neue Ordensfrauen können sich einen Schwestern-Namen wählen. Das heißt, sie können ihrem Vornamen einen Namen mit religiöser Bedeutung hinzufügen oder ihn ersetzen. So wurde zum Beispiel aus Wilhelmina Henneken Schwester Emanuela. Der Name kommt aus dem Hebräischen und bedeutet 'Gott mit uns'. Die Namensänderung ist heutzutage allerdings keine Pflicht mehr.

Sprecher:
Verpflichtend dagegen sind die Gelübde, die feierlichen Versprechen, zum Orden zu gehören und nach seinen Regeln zu leben. Der Begriff geht zurück auf das althochdeutsche Wort 'gilubida': Übereinstimmung. Ordensfrauen, die alle Gelübde abgelegt haben, tragen als sichtbares Zeichen lebenslanger Verbundenheit mit ihrer Gemeinschaft einen Ehering. Ebenfalls aus dem Althochdeutschen, und zwar von 'kuski', dem Ausdruck für enthaltsam, züchtig, kommt der Begriff Keuschheit. Gemeint ist der Verzicht auf körperliche Liebe. Keuschheit gilt als Grundvoraussetzung für ein Leben als Priester oder Ordensfrau. Für die Ehelosigkeit von Geistlichen steht das lateinische Leihwort Zölibat. Es bedeutet soviel wie unverheiratet.

Sprecherin:
Schwester Edith Maria und ihre Mitschwestern vom Franziskanerinnenkloster Waldbreitbach haben sich freiwillig den Regeln ihres Ordens unterworfen. Trotzdem müssen auch sie sich immer wieder mit Zweifeln und Konflikten auseinandersetzen. Romantische Vorstellungen haben hier wenig Platz.

Sprecher:
So bedeutet das Klosterleben für Schwester Edith Maria und ihre Mitschwestern vom Franziskanerinnenkloster in Waldbreitbach keineswegs eine Flucht vor der Welt. Sie sind starke Frauen, die Aufgaben und Ziele haben und aktiv ihren Glauben leben. Eben: beten und arbeiten. Ora et labora.

Fragen zum Text
Was ist ein Kloster?
a. Eine Wohnstätte für Mönche und Nonnen.
b. Eine Schule.
c. Ein Geschäft.

Welche Menschen leben in einem Hospiz?
a. In einem Hospiz leben gesunde Menschen.
b. In einem Hospiz leben unheilbar kranke Menschen.
c. In einem Hospiz leben kranke Menschen, die wieder gesund werden.

Wie wird das Abendgebet genannt?
a. Orden
b. Laudes
c. Vesper

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Arbeiten und beten - der Tagesablauf in einem Kloster ist streng geregelt. Wie sieht ihr Tag normalerweise aus? Beschreiben Sie in einem kurzen Aufsatz, wie ein typischer Tag in Ihrem Leben aussieht. Wann stehen Sie auf? Was frühstücken Sie? Wie verbringen Sie den Rest des Tages? >>Catrin Möderle<<
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Donnerstag, 7. Juni 2007
Die Baguette oder das Baguette?

La cuisine française ist bei vielen beliebt und wird doch nur von wenigen beherrscht. Pierre, Carlas Freund, beherrscht sie wie kein anderer. Zudem sind das Filet Mignon und das Baguette nicht einfach aus dem Supermarkt.

Es ist wieder Wochenende und ein gemeinsames WG-Essen steht auf dem Plan. Aber diesmal kocht nicht Eva, die Superköchin, sondern Carlas neuer Freund, Pierre, der Franzose.

Schon seit zwei Stunden steht er in der Küche, und es hängt ein unwiderstehlicher Duft in der Luft. Kein Wunder, dass alle sofort am Tisch sitzen, wenn er zum Essen ruft. Die erste halbe Stunde wurde kein Wort gesprochen, was ein gutes Zeichen ist, denn jeder genießt sein Essen.

Pierre ist allerdings etwas beunruhigt. Um das Schweigen zu brechen, sagt er: "Die Baguette habe ich extra bei einem französischen Bäcker gekauft und der Filet Mignon habe ich in einem Feinkostladen erstanden. Schmeckt es euch?" "Ja, uns schmeckt es hervorragend! Ausgezeichnet! So gut habe ich lange nicht mehr gegessen", antwortet Carla begeistert. Mit einem entschuldigenden Blick in Evas Richtung fügt sie hinzu: "Nichts gegen deine Kochkünste."

Nur Yang, der überhaupt kein Französisch spricht und versteht, fragt: "Warum sagst du denn 'die Baguette' und 'der Filet'?" "Na, weil das die richtigen Artikel sind", antwortet Pierre verständnislos. "Es heißt ja 'la baguette' und 'le filet'!" Nun mischt sich Carla in die Unterhaltung ein:

"Aber Schatz, für diese Fremdwörter verwendet man im Deutschen üblicherweise einen anderen Artikel, entsprechend der deutschen Übersetzung.

Also zumeist 'das Baguette', denn es heißt auch das Brot, und 'das Filet', denn es kommt bestimmt von Fleisch oder Stück, also das Fleisch, das Stück."

Pierre ist frustriert: "Na, prima, die deutsche Sprache wird ja immer komplizierter, je besser ich sie spreche. Jedenfalls gibt es jetzt zum Nachtisch Crêpes in der Mehrzahl und ohne Artikel."

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Samstag, 2. Juni 2007
Kinder und Karriere

Erfolgreich und ehrgeizig verwirklichen sich heutzutage viele Frauen im Beruf. Die Probleme fangen für die meisten erst dann an, wenn sie nicht nur Karriere machen wollen, sondern sich auch für Kinder entscheiden.

Zitatorin:
"Einerseits wollen wir uns im Beruf verwirklichen, andererseits Kinder bekommen und vielleicht sogar selbst großziehen. Einerseits wollen und müssen wir uns mit grundlegenden Angelegenheiten auseinander setzen, andererseits finden wir das ziemlich ungerecht."

Sprecherin:
Ein Ausschnitt aus dem derb-ironischen Buch Generation Ally, das eine junge Autorin für Frauen um die 30 geschrieben hat. Der Name Ally spielt auf eine amerikanische Fernsehserie an, deren Titelheldin, Ally McBeal, als eine typische Vertreterin der heute 30-jährigen Frauen gilt: Sie ist emanzipiert, erfolgreich und ehrgeizig, hat noch keine Familie gegründet, ist aber auf der ständigen Suche nach dem privaten kleinen Glück. Die großen Probleme fangen für Frauen in der Regel erst dann an, wenn sie nicht nur erfolgreich im Beruf sein wollen, sondern sich auch für Kinder entscheiden. Nur weniger als drei Prozent der Männer nehmen Erziehungsurlaub, um sich für eine längere Zeit um das gemeinsame Kind zu kümmern. Also bleibt es größtenteils den Frauen überlassen, wie sie Kinder und Karriere miteinander vereinbaren wollen, meint Ursula Schubert-Sarellas, die Frauen beim Wiedereinstieg in den Beruf hilft.

Ursula Schubert-Sarellas:
"Und da fängt es an. Da fängt es an, teuer zu werden oder es fängt an, dass sie zeitlich zurückschrauben oder dann den Spagat machen. Dass sie irgendwo immer zwischen allen Stühlen hängen, es versuchen, allen gerecht zu machen, aber es nie so ganz richtig schaffen."

Sprecher:
Um die Schraube ranken sich zahlreiche Redensarten. Auf die mittelalterliche Folterung durch Daumenschrauben spielen die Redewendungen an: die Daumenschrauben anlegen und die Schraube fester drehen an. Sie meinen, jemanden unter immer größere Anforderungen zu stellen. In umgekehrter Weise kann man die Schrauben auch lockerer machen oder zurückdrehen. Die Feststellung, bei dem ist eine Schraube locker, sagt: in seinem Kopf ist nicht mehr alles in Ordnung, er ist nicht mehr ganz zurechnungsfähig. Das Gehirn wird dabei mit einem Uhr- oder Maschinenwerk verglichen, wo jedes Schräubchen festsitzen muss, wenn es funktionieren soll. Das Wort Spagat kommt aus dem Spätlateinischen und bedeutet Schnur, Strick, Bindfaden. Man macht einen Spagat, wenn man seine Beine nach vorn und hinten spreizt, so dass die Beine eine gerade Linie wie eine Schnur bilden. Die Redewendung, einen Spagat zwischen zwei Dingen zu machen, ist relativ jung und bedeutet, zwei Dinge, die nur schwer vereinbar sind, gleichzeitig tun zu müssen. Ähnliches verbildlicht auch die Redensart, zwischen zwei Stühlen sitzen oder auch zu hängen. Wer auf zwei Stühlen gleichzeitig sitzen will, so sagt die lateinische Herkunft des Bildes, erreicht keinen von beiden, sondern landet zwischen ihnen, und zwar auf dem Boden. Damit ist die Aussage dieser Redensart ausschließlich negativ. Sie drückt die hoffnungslose Lage eines Menschen aus, der zwei Ziele gleichzeitig anstrebt, aber beide nicht erreichen kann.

Sprecherin:
Nach dem Mutterschutzgesetz können Frauen, aber auch Männer, sogenannten Elternurlaub nehmen, und zwar insgesamt drei Jahre lang. In dieser Zeit ruht das Arbeitsverhältnis und kann nach den drei Jahren wieder aufgenommen werden. Entscheidet das Elternteil – also meistens die Frau -, nach dem Erziehungsurlaub ihren Beruf weiter auszuüben, muss das Kind in einen Kindergarten oder in einen Kinderhort. Doch Kindergartenplätze gibt es, zumindest im Westen Deutschlands, zu wenig. Deshalb bleiben viele Frauen länger als drei Jahre zu Hause und kümmern sich um den Nachwuchs. Wenn sie dann später ins Berufsleben zurück wollen, müssen sie sich nach einer neuen Stelle umsehen. Seit einiger Zeit gibt es beim Arbeitsamt eine eigene Anlaufstelle. Ursula Schubert-Sarellas leitet die Beratungsstelle für Berufsrückkehrerinnen in Bonn.

Ursula Schubert-Sarellas:
"Wir stellen ja fest, dass Berufsrückkehrerinnen einen guten Ruf bei Arbeitgebern haben. Sicherlich, dass sie nicht alle Türen und Tore geöffnet bekommen, sondern dass man dann immer noch genau hinschaut: wie viele Kinder hast du, wie alt sind die Kinder, ach, die sind noch sehr klein, die Kinder. Also wir finden Sie ganz toll qualifiziert, Sie sind ne super Frau, aber kommen Sie noch einmal in drei Jahren wieder, da sind die Kinder so aus dem Gröbsten raus. Das sind so Sachen, die machen mich wütend. Weil in drei Jahren ist es halt bei der Frau eben auch ein bisschen drei Jahre länger her, und warum kann da nicht so ein Vertrauen sein, dass man sagt, wir werden es gemeinsam schon ein Stück arrangiert kriegen."

Sprecher:
Einen guten oder schlechten Ruf zu haben, bezeichnet das Ansehen oder die Wertschätzung, die jemand bei einer anderen Person genießt. Man kann seinen guten Ruf aber auch verlieren oder leichtfertig aufs Spiel setzen. Man kann auch besser sein als sein Ruf. Dann ist man besser, als der eigene schlechte Ruf es vermuten lässt. Seit der römische Dichter Ovid dies von der Römerin Claudia Quinta in lateinisch schrieb, ist die Wendung auch in anderen Sprachen nachgeahmt worden, zum Beispiel im Deutschen von Schiller. So sagt Maria Stuart von sich: "Das Ärgste weiß die Welt von mir, und ich kann sagen, ich bin besser als mein Ruf." Die stabreimende Zwillingsformel Tür und Tor ist scheinbar eine Tautologie, also eine Doppelung. Aber im Mittelalter lagen Tür und Tor als Hofeingang direkt nebeneinander. Die Tür war für den Menschen und das Tor für das Großvieh und für die Erntewagen gedacht. Sind jemandem Tür und Tor geöffnet, so hat er zu etwas ungehinderten Zugang. Die Redensart grob werden bedeutet, in Schimpfereien verfallen, auch: handgreiflich werden. Aus dem Gröbsten heraus sein, bezieht sich auf eine anstrengende Entwicklungsphase, die man hinter sich hat – bei Kindern auf die ersten Lebensjahre, in denen sie noch völlig auf die Hilfe der Eltern angewiesen sind.

Sprecherin:
In einigen Berufen gibt es für Frauen die Möglichkeit, berufliche Arbeiten von zuhause aus zu erledigen, zum Beispiel PC-Arbeitsplätze in der Privatwohnung. Manche Unternehmen haben sogar einen eigenen Werkskindergarten, in den die Kinder so lange gehen können, wie ihre Mütter arbeiten. Im Forschungszentrum Jülich, in der Nähe von Aachen gelegen, wird noch ein anderes familienfreundliches Modell erprobt: Wissenschaftlerinnen können hier nach ihrer Promotion festangestellt werden. Eine Regelung, wie sie in der Wissenschaft selten üblich ist, denn viele Stellen sind dort zeitlich befristet. Das Angebot richtet sich nur an Frauen, damit sie im Beruf ausreichend Planungssicherheit haben, um auch daran denken zu können, eine Familie zu gründen, erklärt Petra Bender aus dem Büro für Chancengleichheit vom Forschungszentrum in Jülich.

Petra Bender:
"Wir haben uns im Vorfeld überlegt, wieso es so wenig Frauen in der Wissenschaft gibt, wieso so viele Frauen nach der Promotion aussteigen. Eine der Überlegungen war, dass die biologische Uhr bei uns Frauen leider immer noch ein bisschen schneller tickt, und dass es für viele Frauen wichtig sein könnte, relativ früh Planungssicherheit zu haben. Also zu wissen, nach dieser Phase hab ich einen unbefristeten Vertrag, hab die Sicherheit, und kann mich auf eine Familie, auf eine Ehe, auf eine Partnerschaft einlassen."

Sprecher:
Das Vorfeld entstammt dem militärischen Vokabular. Es ist ein den eigentlichen Kampfhandlungen vorgelagertes Gelände, auf dem Truppen aufgestellt werden. Was im Vorfeld geschieht, dient der Vorbereitung einer Handlung. Die Uhr als Zeitmesser findet seit Jahrhunderten in vielen Redensarten Verwendung. Ist sie für jemanden abgelaufen, heißt das, dass er bald stirbt. Weiß dieser, was die Uhr geschlagen hat, so weiß er über etwas bescheid. Gehen die Uhren bei jemandem anders, so hat die Zeit für ihn stillgestanden. Die biologische Uhr dagegen, die für jemanden tickt, bezieht sich hier auf Frauen über dreißig und meint, dass die optimale, die gesundheitlich unbedenkliche Zeit, schwanger zu werden, angebrochen ist, beziehungsweise abzulaufen droht. Wenn diese Frauen noch Kinder bekommen möchten, müssen sie sich beeilen, denn sonst läuft ihnen die Zeit davon.

Petra Bender:
"Das war uns bewusst. Und weil uns das bewusst war, haben wir gesagt, wir können die Frauen nicht einfach heute zu Führungsfrauen machen und sie dann im Regen stehen lassen. Wir haben ein Programm entwickelt, dass den jungen Frauen Trainingseinheiten: Führung, Selbstmanagement und Projektmanagement an die Hand gibt und sie gleichzeitig durch Mentoren über ein Jahr begleiten lässt."

Sprecher:
Wird jemand im Regen stehen gelassen, lässt man ihn mit seinen Problemen allein oder man versagt ihm die Hilfe. Man kann auch vom Regen in die Traufe kommen. Dann hat jemand erfolglos versucht, ein Übel zu vermeiden. Schlimmer noch, ihm ist dabei sogar noch etwas Unheilvolleres als dieses Übel widerfahren. Ursprünglich war bei der Redewendung von jemandem die Rede, der sich bei Regenwetter unter den Rand der Hausdächer flüchtet, aber dabei unter die Traufe gerät, aus der das Dachregenwasser herunterläuft. So wird der Schutzsuchende doppelt nass. Die Redewendung ist vermutlich orientalischer Herkunft. Etwas in der Hand zu haben deutet zunächst auf den Stab der Macht in der Hand des Herrschers hin, dann aber auch auf wichtige Urkunden oder andere Belege, die jemand als Beweismittel in der Hand hält.

Sprecherin:
Ein Drittel der Frauen in Deutschland um 35 will kinderlos bleiben. Bei den Akademikerinnen sind es sogar 40 Prozent. Kamen in den 80er Jahren noch durchschnittlich 1,8 Kinder pro Paar zu Welt, sind es heute statistisch gesehen nur noch 1,4. Dadurch sinkt die Bevölkerungszahl in Deutschland seit einigen Jahren kontinuierlich. Die Politik hat die Familie seit einiger Zeit wieder für sich entdeckt und den Eltern sogar das Recht auf einen Kindergartenplatz für ihr Kind zugesichert. Doch immer mehr Frauen entscheiden sich nur noch für die Karriere – und nicht für ein Kind. In der Gesellschaft ist schon seit langem die Entwicklung zu erkennen, dass eine Frau, die sich zunächst einmal nur um ihr Kind kümmern möchte und dafür einige Jahre nicht beruflich eingespannt ist, wenig Anerkennung bekommt. Noch dazu, wo die Arbeit der sogenannten Nur-Hausfrau finanziell nicht honoriert wird. Äußerst problematisch wird es für diese Frauen, wenn ihre Ehe plötzlich geschieden wird und sie auf einmal gezwungen sind, ihr Familienleben neu zu organisieren, meint Ursula Schubert-Sarellas.

Ursula Schubert-Sarellas:
"Ganz schlimm, wenn man relativ alt verlassen wird und mit nichts da steht und eigentlich nur noch ein Leben voller Scherben vor sich sieht. Dass man also alles investiert hat in diese Ehe, in dieses Miteinander etwas aufbauen, und dann steht man vor einem riesigen Scherbenhaufen und sieht sich eigentlich selber nur noch als Scherbe. Und es ist dann manchmal auch ganz schwierig, wenn die Dame eben dann über 50 Jahre alt ist und dann auch noch guten Herzens eine Perspektive aufzubauen. Man kann dann nur stark machen und sagen: es geht immer irgendwie weiter. Nur diese Scheidungsfälle, die sind sehr häufig. Wenn man seinen Berufsweg plant, dann sollte man seinen Kopf schon relativ frei haben: Wo eigne ich mich für, wo hab ich meine Stärken. Wir versuchen halt, durch spezielle Trainingsmaßnahmen für Berufsrückkehrerinnen auch dem Personenkreis so ein Bisschen wieder Feedback zu geben: wie wirke ich, wie sieht man mich von außen."

Sprecher:
Wenn man ein Leben voller Scherben vor sich sieht oder vor einem riesigen Scherbenhaufen steht, dann versinnbildlichen die Bruchstücke tönerner oder gläserner Gegenstände Hoffnungen, die man in sein Leben gesetzt hatte. Zahlreiche Redensarten beruhen auf der alten Auffassung des Herzens als dem Sitz der Empfindung, auch des Mutes. Wenn man guten Herzens etwas macht, dann tut man es in bester Absicht und mit voller Zuversicht. Der Kopf musste seit alters her für die unterschiedlichsten Aussagen herhalten. Den Kopf für etwas frei haben oder auch nicht, bedeutet bereit zu sein, sich einer Angelegenheit intensiv anzunehmen, wenn alle anderen Anforderungen erledigt sind. Neudeutsch gibt oder bekommt man heutzutage ein Feedback statt einer Rückmeldung. Der Ausdruck ist der Kybernetik entlehnt und bezeichnet dort den Vorgang einer zielgerichteten Steuerung eines technischen oder biologischen Systems durch das Rückmelden einzelner Ergebnisse.

Sprecherin:
Flexiblere Arbeitszeitmodelle gibt es inzwischen für berufstätige Mütter schon. Jetzt diskutiert man in der Gesellschaft auch darüber, das Kindergeld zu erhöhen, um mehr Paaren einen Anreiz zu geben, sich für ein Kind zu entscheiden. Doch häufig fehlt es dazu einfach an Mut, so sieht es auch die Autorin des Buchs Generation Ally:

Zitatorin:
"Ich kann kochen. Ich weiß, wie man lange Flure geschickt dekoriert, ich nehme Königshochzeiten auf Video auf. Ich bin eine Frau, aber schon bald bin ich keine junge Frau mehr. Ich möchte gern noch mal ins Ausland gehen, ich habe da so ein Projekt im Kopf. Wenn man mich fragt, ob ich Kinder will, dann weiß ich nicht, was ich sagen soll. Ich kann es mir durchaus vorstellen, aber ich kann mir auch vorstellen, kinderlos zu bleiben. Ich weiß nicht, was es bedeutet. Ich weiß nicht, ob ich später einsam bin. Ich habe Angst, Angst zu haben. Und ich hasse Ally McBeal."

Fragen zum Text
Die Redewendung einen Spagat zwischen zwei Dingen zu machen, bedeutet…
A. zwei Dinge, die schwer vereinbar sind, gleichzeitig zu tun.
B. sich für eine Sache zu entscheiden.
C. nichts alleine zu schaffen.

Wenn jemand im Regen stehen gelassen wird,…
A. lässt man sie/ ihn mit seinen Problemen allein.
B. unterstützt man sie/ ihn voll und ganz.
C. braucht er/ sie keine Unterstützung.

Wenn man guten Herzens etwas macht, dann...
A. tut man es in bester Absicht und mit voller Zuversicht.
B. hat man niedere Beweggründe.
C. besitzt man ein gut funktionierendes Herz.

Arbeitsauftrag
Versetzen Sie sich in die Lage einer berufstätigen Frau. Wozu würden Sie ihr raten: Karriere, Kinder, oder beides? Wägen Sie Vor- und Nachteile einer kinderlosen Partnerschaft ab und schreiben Sie Ihre Ergebnisse auf. Diskutieren Sie anschließend gemeinsam in der Klasse über das Thema.
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Donnerstag, 31. Mai 2007
Die Hand

Als Künstlerin und auch als Chirurg braucht man eine ruhige Hand. Das ist schließlich alles Handarbeit. Beim Schneiden und Nähen sind zwei linke Hände nur im Weg - egal ob man bastelt oder operiert.

Sprecher:
Die Hand ist das ursprünglichste und wichtigste Werkzeug des Menschen. Gleichzeitig das stärkste Instrument für Gesten und Gebärden, sowohl im kultischen wie im profanen Bereich. Unsere Hände führen motorische Aktionen und Reaktionen aus, spiegeln aber gleichwohl auch Gefühle und Empfindungen wider. Aus ihnen lassen sich unser Tun und Handeln, aber auch unsere Absichten ablesen. So klatscht man mit den Händen Beifall, wenn einem eine bestimmte Darbietung gut gefallen hat.

Sprecherin:
Es nimmt nicht Wunder, dass die Hände auch in vielen Redensarten vorkommen, wobei viele Wendungen in gleicher Weise wörtlich wie bildlich zu verstehen sind: denn die meisten Handgebärden sind noch geläufig, nur wenige zu bloßen Redensarten verblasst. Dabei nutzen die meisten Menschen ihre Hände nicht mehr vielseitig. In der Dienstleistungsgesellschaft ist die Arbeit mit dem Kopf wichtiger und angesehener als die mit den Händen geworden. Einige Menschen bekennen sich deshalb umso mehr zur Handarbeit, so auch Franka Peikert. Vor einigen Jahren gab sie ihren Beruf als Steuerberatergehilfin auf und machte sich mit einem kleinen Geschäft für Kunsthandwerk in Bad Honnef, bei Bonn, selbständig.

Franka Peikert:
"Mein Traum war immer, ich mach jetzt einen Laden auf, dann kann ich den ganzen Tag kreativ sein. Ich bin den ganzen Tag in traumhaft schönen Dingen, und ich habe tausend Ideen im Kopf, die ich alle verwirklichen möchte. Ich bereu es nicht. Die Entscheidung war wunderbar. Nee, wir haben alle Hände voll zu tun. Wir könnten ununterbrochen produzieren."

Sprecher:
Wenn von beiden Händen die Rede ist, handelt es sich immer um eine Intensivierung der Bedeutung, sowohl in positiver als auch in negativer Absicht. Braucht man zu einer Meinungsäußerung viel Mut, nimmt man sein Herz in beide Hände; verlangt eine Arbeit schnelle Verrichtung oder ein Angebot eine rasche Entscheidung, greift oder packt man mit beiden Händen zu. Statt beider Hände kann man auch Hand und Fuß regen - als Ausdruck größten Fleißes. Ist jemand untätig, möchte sich ausruhen oder ist gar mutlos, legt er die Hände in den Schoß. Diese Wendung ist zunächst wörtlich gemeint, versprachlicht sie doch eine Gebärde, die häufig mit dieser Gemütslage einhergeht. Vom Faulenzer sagt man, er rühre keine Hand oder wolle keinen Finger krümmen.

Sprecherin:
Das kleine Geschäft von Franka Peikert schmückt ein schmiedeeisernes Ladenschild, in Form einer Hand. Statt der einzelnen Finger besteht diese Hand aus Werkzeugen: der Daumen sind Nadel und Faden, ein Lineal bildet den Zeigefinger, die beiden mittleren Finger fungieren als Schere, der kleine Finger ist als Pinsel dargestellt. Im Laden befinden sich Knöpfe, Vasen, Briefkarten, Eierwärmer aus Filz, kleine Holzpuppen und eine Vielfalt an Perlen. Mit diesem breit gefächerten Sortiment möchte Franka Peikert ihre Kunden nicht nur zum Kaufen, sondern auch zum Selbermachen animieren.

Franka Peikert:
"Im Vergleich mit, nehmen wir mal wieder das Nachbarland Niederlande, sind wir bastelmäßig in der Diaspora. Wer beruflich sehr angestrengt ist, der nimmt sich nicht die Zeit dafür oder dem fällt es schwer, sich zu entspannen, und der verliert vielleicht auch den Blick dafür. Denn für die Leute, die Basteltechniken machen, sind sie in der Regel entspannend. Nur die meisten Menschen, die schon so einen stressigen Alltag haben, die denken nee, das mach ich nicht auch noch und sehen gar nicht, was es ihnen bringen könnte. Ich glaube, wen jemand Dinge tut, die ihn voll befriedigen, dann hat er keine zwei linken Hände. Bin ich fest von überzeugt. Für mich gibt es das nicht."

Sprecher:
Franka Peikert vergleicht Deutschland in Hinblick auf Bastelarbeiten und -techniken mit der Diaspora. Die Redewendung in der Diaspora sein lehnt sich an bekannte Vergleiche wie hinter dem Mond oder in der Provinz sein an; ein Vorgang, den die Sprache bei bildlichen Neuschöpfungen häufig zeigt. Die Diaspora meint ein Gebiet, in dem Mitglieder oder Gemeinden einer Kirche als Minderheit leben und somit fernab aller Neuerungen bleiben. Im alltäglichen Gebrauch ist die rechte Hand bei den meisten Menschen die geschicktere. Im kultischen Bereich gilt sie als die wichtige. Folglich beziehen sich alle Redensarten, wenn die linke Hand nicht ausdrücklich bezeichnet wird, auf die rechte. In der Kindersprache heißt die linke Hand die hässliche oder schlechte, weil weniger geübte, die beim Begrüßen nicht gereicht werden soll. Wird sie vom Erwachsenen dennoch ausgestreckt, fügt man ironisch oder scherzhaft hinzu, sie komme von Herzen. Macht man etwas mit der linken Hand oder mit links, misst man der Tätigkeit geringfügigen Wert bei. Von einem faulen oder auch ungeschickten Menschen sagt man, er habe zwei linke Hände, als stünden ihm gleichsam beide Hände im Wege. Franka Peikert gibt dieser Redensart eine neue Bedeutungsvariante, wenn sie die Wendung zwei linke Hände haben mit lustlosem, ungewolltem Tun verbindet. Ihre Deutung berührt die Vorstellung vom faulen Menschen, der sich nur ungeschickt anstellt, damit ihm ein anderer die Arbeit abnimmt.

Thomas Rohn:
"Statistisch sind etwa 65 Prozent Rechtshänder, fünf Prozent sind reine Linkshänder, 30 Prozent können beides, setzen beide Hände gleichmäßig ein. Es gibt da ein berühmtes Beispiel: So in den dreißiger Jahren gab es einen ungarischen Sportschützen, der war zu der Zeit Weltmeister, und der hat die Hand verloren und hat durch entsprechendes Training seine ihm verbleibende Hand trainiert und wurde dann wieder Weltmeister mit der anderen Hand."

Sprecherin:
Thomas Rohn arbeitet als Oberarzt in der Abteilung für Hand- und plastische Chirurgie im Bonner Johanniterkrankenhaus. Tagtäglich hat er mit den unterschiedlichsten Handverletzungen oder auch -erkrankungen zu tun, die in möglichst kurzer Zeit operiert werden müssen. Auch einzelne Finger müssen häufig genäht, abgetrennt oder sogar amputiert werden.

Thomas Rohn:
"Bisher ist mir noch keiner untergekommen, der sich dabei verletzt hat, beim Daumendrücken. Wohl eher schon, wenn Sie jetzt fragen, ob sich spezielle Finger verletzen. Also bekanntermaßen der Zeigefinger, der ist am häufigsten verletzt. Und nicht selten schwere Verletzungen durch Ringe, durch getragene Ringe."

Sprecher:
Dem Daumen wurden seit altersher übernatürliche Kräfte zugeschrieben, die man im Zauber und in der Volksmedizin zu nutzen suchte. Vor allem wurde das Einschlagen des Daumens als eine Art Bannzauber gegen Hexen und Dämonen angesehen. Bei den römischen Gladiatorspielen war es Brauch, dass das Publikum in der Arena den Daumen einschlug, um für einen gestürzten Kämpfer Gnade zu erbitten. Der nach unten ausgestreckte Daumen aber bedeutete das Gegenteil. Hält oder drückt man jemandem die Daumen, steht man ihm in Gedanken in kritischen Situationen mit guten, Unheil abwehrenden Wünschen bei, erhofft man für ihn zu einer wichtigen Entscheidung guten Erfolg. Diese Redensart wird häufig von der Geste begleitet, den Daumen zwischen die übrigen vier Finger einzuschlagen und kräftig zu drücken.

Sprecherin:
Große Verletzungen scheint das Daumendrücken in der Regel wohl nicht zu verursachen. Dennoch können unbedachte Bewegungen mit Hand beziehungsweise Fingern verheerende Folgen haben, weiß Handchirurg Thomas Rohn.

Thomas Rohn:
"Durch Hängenbleiben können die Finger abgerissen werden. Vor allem im Sommer hatten wir letztes Jahr eine ganze Handvoll Fälle Jugendlicher, die irgendwo hier in der Gegend sich freien Zutritt des Nächtens zum Freibad verschafft haben und dann eben beim Sprung über den Zaun mit ihren Fingern am Ring hängengeblieben sind und sich die Finger angerissen haben."

Sprecher:
Die Hand dient auch als ein natürlicher Maßstab für Ausdehnungen, als Maß für Mengen und sogar für Zeit. Breite, Länge und Höhe werden mit der Wendung eine Handbreit, seltener eine Hand hoch angegeben. Die Hand ist leicht beweglich und dient somit zur Verbildlichung kurzer Zeitabläufe. Im Handumdrehen, das heißt schnell, unversehens, kann etwas geschehen oder getan werden. Kurzerhand wird jemand abgefertigt. Dagegen kann es auch gelten, eine wichtige Sache gründlich, also von langer Hand vorzubereiten. Eine Handvoll ist ein altes, heute zuweilen noch gebräuchliches Hohlmaß. Im übertragenen Sinne spricht man von einer Handvoll Menschen und meint damit eine kleine überschaubare Anzahl.

Sprecherin:
Braucht man selber eine ruhige Hand?

Thomas Rohn:
"Das hilft. Der Handchirurg bereitet sich seinen OP-Platz entsprechend vor. Alle Eingriffe finden im Sitzen statt, aufgelegte Arme, Lupenbrillenvergrößerung oder Mikroskop, so dass sich Tischhöhe und Augenabstand vor der Operation so einstellt, dass man eben ruhig sitzen kann und die Arme aufgelegt hat."

Sprecher:
Ein Handchirurg benötigt für seine Arbeit, die im eigentlichen Sinn ein Handwerk ist, wenn auch ein Chirurg nicht zu den Handwerkern zählt, eine ruhige, geschickte Hand. Er hat ein Händchen für das, was er zu tun hat. Seine Hände sind durch eine besondere Feinmotorik ausgezeichnet. Die Verniedlichungsform ein Händchen für etwas haben lässt sich auf jeden übertragen, der für eine Tätigkeit gleich welcher Art besonderes Geschick zeigt.

Sprecherin:
Oberarzt Thomas Rohn hat bereits die unterschiedlichsten Hände operiert: zarte und grobe, alte und junge. Vielleicht ist es manchmal so, dass die Hand eines Menschen etwas über seinen Charakter sagt. Wenn sich der Mediziner auch tagtäglich mit den Händen befasst – die meisten Redewendungen rund um die Hand als Körperteil sind wohl nicht aus der Medizin herzuleiten.

Thomas Rohn:
"Aus den Fingern kann man sicher direkt nichts direkt saugen. Also woher der Begriff rührt, sich irgendwelche Antworten zurecht zu legen, wo man dann sagt aus den Fingern saugen, als Chirurg habe ich keine Erklärung dafür. Vielleicht rührt es daher, weil Kinder am Daumen nuckeln? Ich weiß es nicht."

Sprecher:
Saugt sich jemand etwas aus den Fingern, legt er sich nicht nur, wie Thomas Rohn erklärt, irgendeine Antwort zurecht, sondern er erzählt oder behauptet etwas, das der Wirklichkeit oder Wahrheit in keiner Weise entspricht. Die Herkunft dieser Redensart ist umstritten. Sie wird auf den Ersatz der säugenden Brust durch den säugenden Finger zurückgeführt. Ein uraltes Motiv der Sage, der Legende und des Märchens. So wird in einer arabisch geschriebenen Chronik erzählt, Abraham habe, nachdem er von seiner Mutter ausgesetzt worden war, aus seinem Finger Milch gesogen, denn Gott hatte daraus die Milch fließen lassen, die das Kind brauchte. Ebenso wird von Moses erzählt, er habe aus seinem Daumen Milch gesogen. Die Redensart kann zum anderen aber auch auf den alten Volksglauben zurückgehen, nach dem der Finger, der in Blut oder in eine Zauberflüssigkeit getaucht und dann in den Mund gesteckt wird, Weisheit mitteilt. Ob auch die Vermutung Thoma Rohns, das Daumenlutschen der Babys könne der ursprüngliche Bildhintergrund für die Redewendung sein, zutrifft, sei dahingestellt.

Sprecherin:
Wenn es auch wohl nur wenige Finger gibt, aus denen tatsächlich Milch fließt, so können die Hände zweifelsohne viele Fertigkeiten vollbringen. Nicht alle von ihnen gelten als kunstvoll. Bis heute hat sich die Vorstellung gefestigt, dass eine Arbeit, die mit Händen und Werkzeugen entstanden ist, mehr zweckgebunden als künstlerisch sei.

Sprecherin:
Getreu dem Motto des großen Filz-Künstlers Josef Beuys, der bekanntlich der Ansicht war, dass jeder Mensch ein Künstler sei, möchte Franka Peikert ihre Kundinnen zum Selbermachen und Kreieren von schönen Dingen bewegen. Bisher ist ihr Kunstkonzept aufgegangen: Ihr Laden hat sich zu einem Geheimtipp entwickelt. Kaum zu glauben, dass sie sich spontan von einer Bekannten zur Eröffnung eines eigenen Geschäfts überreden ließ!

Franka Peikert:
"Innerhalb eines Jahres hatten wir dann den Laden hier. Das ging dann irgendwann plötzlich ganz schnell. Aber wir sind total ins kalte Wasser gesprungen, vollkommen unvorbereitet. Und ich kann nur sagen: Glück gehabt!"

Sprecher:
Wer ins kalte Wasser springt, tut etwas ohne Vorbereitung oder Anleitung, spontan und oft mit hohem Risiko. Wie nah direkte Gebärden und deren Versprachlichung sich manchmal stehen, zeigt der Ausruf toi, toi, toi, auf den Franka Peikert hier verzichtet, aber dafür dreimal auf Holz klopft. Der Ruf meint viel Glück oder unberufen; das Klopfen soll eine negative Schicksalswendung gleichsam abwehren. Hier wird deutlich, dass Sprecher und oder Geste dreifach denkbar sind: Es reichen die bloße Gebärde, der bloße Ruf, - oder beide, Sprache und Geste begleiten einander.

Sprecherin:
Der Laden von Franka Peikert heißt übrigens "à la Hand" – eine französisch-deutsche Wortschöpfung. Sie hat sich für diesen Namen entschieden, weil alle Artikel, die sie verkauft, von Hand gemacht worden sind. Darüber hinaus spielt die Hand in ihrem Leben eine bedeutende Rolle.

Franka Peikert:
Ich denke, es ist mein Naturell auch. Also meine schlimmste Vorstellung wäre, alt zu werden, meine Hände nicht mehr benutzen zu können und zur Untätigkeit verdammt zu sein. Insofern habe ich wirklich den passenden Namen für meinen Laden gefunden."

Fragen zum Text:
Jemand, der/ die alle Hände voll zu tun hat,…
1. langweilt sich.
2. hat viel zu tun.
3. hat wenig zu tun.

Wenn man jemandem viel Erfolg und Glück wünscht,…
1. drückt man ihm/ ihr die Hände.
2. drückt man ihm/ ihr die Füße.
3. drückt man ihm/ ihr die Daumen.

Wenn man etwas völlig unvorbereitet tut, dann….
1. springt man ins die Badewanne.
2. springt man ins kalte Wasser.
3. hat man kalte Hände.

Arbeitsauftrag:
Etwas im Handumdrehen erledigen, die Hände in den Schoß legen, ein Händchen für etwas haben - schreiben Sie diese und fünf weitere Redewendungen aus dem Text auf und erklären Sie ihre Bedeutung schriftlich.
>>Antje Allroggen<<
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Mittwoch, 9. Mai 2007
Lügengeschichten

Flunkern, lügen, täuschen - ohne kleine Notlügen wäre das Leben langweiliger und phantasieloser. Das beweist schon Till Eulenspiegel. Er hat gelogen, dass sich die Balken biegen. Ob Till wohl kurze Beine hatte?

Lied "Alles Lüge" von Rio Reiser:
"Es ist wahr, dass der Gründer von New York
Nicht Kamel oder Camel, sondern Stuyvesant heißt.
Das ist wahr, das ist wahr.
Aber sonst –aber sonst:
Alles Lüge! Alles Lüge! Alles Lüge! Alles Lüge!"

Sprecherin:
Der deutsche Liedermacher Rio Reiser glaubt nur an die Wahrheit, wenn sie durch Fakten nachweisbar ist. Alles andere, vor allem das Zwischenmenschliche, bewegt sich seiner Meinung nach immer zwischen Wahrheit und Lüge.

Sprecherin:
Wenn alles Lüge ist – wem kann man dann noch Glauben schenken? Von Kurt Tucholsky stammt das geflügelte Wort von den Liedern, die nicht lügen. Anders als gesprochene Worte, die, wenn sie in einem Zusammenhang mit anderen Wörtern stehen, immer etwas anderes meinen können als das, was sie vordergründig versprechen. So die These des Linguisten Harald Weinrich. Lügen können verheerende Konsequenzen anrichten, aber, in harmloserer Form, auch zur Unterhaltung beitragen.

Sprecher 1:
"Als nun Eulenspiegel so alt war, dass er stehen und gehen konnte, da spielte er viel mit den jungen Kindern. Denn er war munteren Sinnes. Wie ein Affe tummelte er sich auf den Kissen und im Gras solange, bis er drei Jahre alt war. Dann befleißigte er sich aller Art Schalkheit so sehr, dass sich alle Nachbarn miteinander beim Vater beklagten, sein Sohn Till sei ein Schalk."

Sprecherin:
Ein Ausschnitt aus dem deutschen Volksbuch "Till Eulenspiegel". Mit allen Menschen, die ihm begegnen, spielt Till Eulenspiegel Streiche. Man kann auch sagen: Er treibt Schabernack mit ihnen – ein noch heute geläufiger Begriff, dessen Herkunft unklar ist. Eulenspiegel wird schon als Schalk bezeichnet, als er gerade einmal drei Jahre alt ist.

Sprecher 2:
Das Wort Schalk stammt aus dem mittellateinischen Wort scalius und bedeutet barfüßig. Es ist auch im Gotischen belegt als Bezeichnung für den Diener oder Knecht, was darauf hinweist, dass Schalk ursprünglich einen unbeschuhten Leibeigenen meinte. Zunächst jedenfalls bezeichnete das Wort Schalk einen eher boshaften Buben. Erst Luther versteht unter einem "Menschen knechtischer Sinnesart" eher einen schadenfrohen Spötter. Die heute noch häufig angewendete Redewendung, jemand habe den Schalk im Nacken oder hinter den Ohren, meint einen lustigen Menschen mit verschmitztem, verstecktem Humor. Die Wendung bezieht sich auf eine Person, die gleichsam von einem kleinen schalkhaften Dämon besessen ist, doch so, dass ihm der Wicht hinten im Nacken oder auch hinter den Ohren sitzt, so dass der Genarrte ihn nicht sehen kann. Beide Redensarten sind alt und seit dem 16. Jahrhundert reichlich belegt. Der Bildhintergrund der versteckten Schelmerei ist allerdings im heutigen Sprachgebrauch fast ganz verloren gegangen, was die Redewendung der Schalk guckt ihm aus den Augen belegt. Deutlich geblieben ist die ursprüngliche Verstellung des Spaßmachers jedoch noch im folgenden Volkslied, wenn der Liebhaber nicht weiß, woran er ist, wenn er über seine Geliebte klagend sagt:

Sprecher 1:
"Ihr tragt ein Schalk im Nacken,
Man weiß nicht, treibt Ihr Ernst oder Scherz,
Thut Honigküchel backen,
Dazwischen Dörner hacken,
Verspott redlichs Herz."

Sprecherin:
Eulenspiegels List besteht darin, dass seine Streiche harmlos-derb, mitunter aber auch bösartig sind. Mal zeigt er den Dorfbewohnern seinen blanken Hintern, als er mit seinem Vater auf einem Pferd sitzt, mal stiehlt er einem Bäcker einen Sack Brot. Mit seinen Lügengeschichten wird Till Eulenspiegel bald so bekannt, dass sich eine große Menschenmenge um ihn herum versammelt, wenn er erscheint.

Sprecher 1:
"Die angesehensten Bürger der Stadt baten ihn, er solle etwas Abenteuerliches und Gauklerisches treiben. Da sagte er, er wolle das tun und auf das Rathaus steigen und vom Erker herabfliegen. (..) Eulenspiegel stand auf dem Erker des Rathauses, bewegte die Arme und gebärdete sich, als ob er fliegen wolle. Die Leute standen, rissen Augen und Mäuler auf und meinten tatsächlich, dass er fliegen würde. Da begann Eulenspiegel zu lachen und rief: Ich meinte, es gäbe keinen Toren oder Narren in der Welt außer mir. Nun sehe ich aber, dass hier die ganze Stadt voller Toren ist. Und wenn ihr mir alle sagtet, dass ihr fliegen wolltet, ich glaubte es nicht. Aber ihr glaubt mir, einem Toren! Wie sollte ich fliegen können? Ich bin doch weder Gans noch Vogel! (...) Nun seht ihr wohl, dass es erlogen ist."

Sprecher 2:
Das Wort Tor ist erstmalig erst im Mittelhochdeutschen belegt und bedeutet dort "irrsinnig". Neben dem heutigen Adjektiv töricht stammt das umgangssprachliche Wort dösig aus derselben Sprachwurzel. Das Wort Narr ist seit dem Althochdeutschen belegt und bedeutete Verrückter. Sprachwissenschaftler empfehlen für die heutige Wortbedeutung aber auch die Ableitung aus dem spätlateinischen Wort "nario", dem Nasenrümpfer oder Spötter. Zu Till Eulenspiegels Zeiten, also im 15. und 16. Jahrhundert, war es nur den Narren möglich, unter der Narrenkappe, durch Spott und Hohn getarnt, die Wahrheit zu sagen. Ein Brauch, der in der Karnevalszeit lebendig geblieben ist.

Sprecherin:
Heute gibt es nur noch wenige Menschen, die sich die Mühe machen, ihre Lügengeschichten hinter einer Schelmerei zu verbergen. Vor Gericht lügen viele Menschen recht ungeniert, weiß Gabriele Hertel, die als Scheidungsanwältin tagtäglich mit der Suche nach der Wahrheit zu tun hat.

Frage:
"Wird zum Teil wirklich so gelogen, dass sich die Balken biegen?"

Gabriele Hertel:
Bei Handwerkern, dass die eben auch Schwarzeinnahmen haben, die nicht zum Unterhalt herangezogen werden sollen, oder Taxifahrer oder Kellner, die relativ wenig verdienen, aber dann durch Trinkgeld und Sonstiges eben doch ihr Auskommen haben, und es gibt Leute, die sich auf die Gehaltsbescheinigung zurückziehen und sagen, mehr hab ich nicht, und alle wissen, da muss noch was sein, aber man kann nichts machen."

Sprecher 2:
Seit alters her wird das Lügen sprachlich gern durch Zusätze verstärkt. Am bekanntesten und verbreitetsten ist die Redewendung: lügen, dass sich die Balken biegen. Wer lügt, nimmt moralisch eine schwere Last auf sich. So wie die Balken eines Hauses, die das Dach tragen, beim Biegen oder Brechen den Einsturz des Daches verursachen, verliert derjenige, der lügt, das Vertrauen des Belogenen. Die Redewendung von den sich biegenden Balken stammt bereits aus dem Mittelalter. Eine andere lautet: Lügen, dass die Himmel krachen. Der Bezug zum Himmelsgewölbe findet sich auch in der jüngeren Sprachwendung wieder, wenn jemand das Blaue vom Himmel lügt oder herunterlügt. Gleichzeitig wird in dieser Redewendung auch auf die Farbe Blau in ihrer ältesten bildlichen Bedeutung als Symbol für Täuschung, Verstellung und Lüge angespielt. Ist man jemandem auf die Spur gekommen, hat man Anhaltspunkte für die Aufklärung seiner Lüge, seines Geheimnisses oder seines Verbrechens gefunden. Die Redewendung stammt aus der Jägersprache und meint ursprünglich, die Spuren eines Wildes entdecken. Macht jemand etwas schwarz, tut er es im Schutz der Dunkelheit, gemeint ist am Gesetz vorbei. Man arbeitet schwarz, baut schwarz, fährt schwarz, verdient schwarz, kauft und verkauft schwarz, wohnt schwarz, hört schwarz Radio und sieht schwarz fern. Man spricht auch vom Schwarzmarkt, vom Schwarzgeld, von der Schwarzarbeit, von Schwarzeinnahmen, Schwarzbauten, Schwarzhörern und –sehern.

Sprecherin:
Da vor Gericht nicht immer die Wahrheit als alleiniges Kriterium für eine Urteilssprechung gilt, kann eine geschickte Lüge mitunter zum Ziel führen. Gabriele Hertel rät jedoch davon ab, vor Gericht dreist zu lügen.

Gabriele Hertel:
"Man kommt nicht weit damit, mit kurzen Beinen kann man nicht so schnell laufen. Man braucht vor allem ein gutes Gedächtnis, wenn man lügt. Also, man muss sich ja auch merken, was man wo gesagt hat. Zum Beispiel gibt es viele Paare, die ihre Trennung nicht so deutlich machen dem Finanzamt gegenüber, um noch die Vorteile zu erhalten, die Eheleute eben haben. Und das ist auch erst einmal ganz verständlich. Aber wenn es dann schon ein paar Jahre so geht und sie wollen jetzt endlich mal geschieden werden, dann kommen sie schon in Schwulitäten. Dann müssen sie sich überlegen, ja, was stimmt denn nun? Leben wir nun schon so lange getrennt, dass die Scheidung reif ist oder noch nicht?"

Sprecher 2:
Dass Lügner nicht lange ungestraft bleiben, beweist die Redensart Lügen haben kurze Beine, auf die Gabriele Hertel hier anspielt. Der Volksmund hat der Redensart den Nachsatz "und wenn sie fallen, haben sie gar keine" scherzhaft hinzugefügt. Lügenmäuler oder Lügenmeister können mit ihren kurzen Beinen, wie die Scheidungsanwältin erklärt, nur kleine Schritte machen. Sie kommen im Vergleich zu Menschen mit großer Beinlänge nie richtig ans Ziel. Wie die Anwältin sagt, können Menschen, die zur Lüge neigen, bei gezielten Nachfragen und Überprüfungen durchaus in Schwulitäten, das heißt in Bedrängnis geraten. Im eigentlichen Wortsinn ist demjenigen, der in Schwulitäten ist, schwül zumute, denn das Wort Schwulitäten ist eine studentische Scherzbildung. Schwul ist seit dem 19. Jahrhundert umgangssprachlich für homosexuell gebräuchlich.

Sprecherin:
Neben ihrer Tätigkeit als Scheidungsanwältin arbeitet Gabriele Hertel auch als sogenannte Mediatorin. Das heißt, sie dient Paaren, die sich in einer Krise befinden, als Mittlerin. Nicht alle Beziehungen können auf diese Weise gerettet werden. Dennoch kann eine Mediation dabei helfen, Probleme in der Partnerschaft in Gegenwart einer neutralen Person nüchtern zu besprechen.

Gabriele Hertel:
"Wenn sich ein Paar immer schon ein bisschen beflunkert hat und sich das dann gesteigert hat im Laufe der Ehe, dann glaub ich nicht, dass die wieder zusammenfinden. Es sei denn, sie betreiben es als Sport. Ich glaub es nicht."

Sprecher 2:
Sagt jemand nicht ganz die Wahrheit, sondern über- oder untertreibt den wahren Sachverhalt, so flunkert er. Seine Absicht ist aber nie wirklich betrügerisch, immer dient sie nur der eigenen Vorteilsnahme, ist oft auch spaßhaft; denn sie wird vom Adressaten zumeist als solche enttarnt. Im eigentlichen Sinne funkeln nur die Sterne. Das Verb leitet sich aus dem frühhochdeutschen "flunkern" für glänzen her.

Gabriele Hertel:
"Ich bewundere die Paare, die sich dem aussetzen. Da hab ich Respekt, dass jemand in so einer Situation doch versucht, noch eine gemeinsame Lösung zu finden. Denn am liebsten würde man den anderen ja gar nicht mehr sehen wollen.

Sprecherin:
In ihrem Beruf hat Gabriele Hertel schon vieles erlebt: wie sich Paare zuerst scheiden ließen und dann doch wieder zusammengekommen sind, wie sich Männer und Frauen ihr Leben lang bekriegten und noch Jahre nach der Trennung den ehemaligen Partner mit Racheakten verfolgt haben. Inzwischen hat Gabriele Hertel gelernt, jeden Fall, und sei er noch so dramatisch, nicht zu nah an sich herankommen zu lassen.

Gabriele Hertel:
Wenn ich zu Hause bin, vergesse ich auch meistens die Sachen. Es gibt schon einzelne Fälle, die mir noch nachgehen, aber sonst könnte ich das gar nicht so lange machen, wenn mir das wirklich nahe ging. Eine juristische Tätigkeit, die ich früher auch gemacht habe, Nebenklagevertretung bei Vergewaltigungen, Missbrauch, das ist mir sehr nahe gegangen. Das habe ich dann auch nicht mehr gemacht. Aber bei den Trennungen habe ich anscheinend ein dickes Fell."

Sprecher 2:
Das Fell der Tiere wird in derber Sprache bildlich für die menschliche Haut gebraucht. So gerbt, bläut oder versohlt man jemandem das Fell, wenn man ihn verprügelt. Handelt jemand bewusst so, dass er Strafe verdient, juckt ihm das Fell, das heißt, es wollte seine Strafe haben. Hat hingegen jemand ein dickes Fell, ist er unempfindlich gegen Tadel, Beleidigung oder gar Verleumdung.

Sprecherin:
Ob nun Lügen tatsächlich immer kurze Beine haben oder nicht – sicherlich wäre das Leben ohne sie einfacher, aber auch langweiliger und phantasieloser. Lügen gelten, sofern mit ihnen keine allzu boshaften Absichten verbunden sind, als typisch menschlich. Selbstbewusst können wir also ruhig behaupten: "Alle Redensarten rund um das Thema Unwahrheit sind in dieser Sendung besprochen worden. Ungelogen!"

Fragen zum Text
Die Redensart Lügen haben kurze Beine will sagen,…
a. dass Lügner nicht lange ungestraft bleiben.
b. dass man vom Lügen kurze Beine bekommt.
c. dass Menschen mit langen Beinen niemals lügen.

Mit allen Menschen, die ihm begegnen, spielt Till Eulenspiegel…
a. Streiche.
b. Karten.
c. Musik.

Sagt jemand nicht ganz die Wahrheit, sondern über- oder untertreibt den wahren Sachverhalt…
a. so flunkert er.
b. so funkt er.
c. so flüstert er.

Arbeitsauftrag
Schreiben Sie eine wahre Geschichte und eine Lügengeschichte auf. Lesen Sie beide Geschichten Ihrer Klasse vor. Lassen Sie Ihre Klasse dann raten, welche der beiden Geschichten wahr ist und welche Sie erfunden haben. <>
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